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Kritik wegen Holocaust-Vergleich

Der grüne Nationalrat Jonas Fricker stellt eine Analogie zwischen Tiertransporten und dem Holocaust her. Und entschuldigt sich dafür.

Nationalrat Jonas Fricker vergleicht Schweine- mit Judentransport. (Video: TA / parlament.ch)

«Sie kennen die Bilder, ja sogar die Dokumentarfilme aus Europa, die die unsägliche Massentierhaltung belegen, Transporte in den sicheren Tod.» Der grüne Nationalrat Jonas Fricker (AG) wollte in seinem Beitrag während der gestrigen Nationalratsdebatte zur Fairfood-Initiative auf die Zustände auf Tiertransporten aufmerksam machen.

Dabei liess er sich zu einem Vergleich mit dem Völkermord an Juden durch die Nationalsozialisten hinreissen: Beim Schauen einer Dokumentation über die Transporte von Schweinen seien ihm «unweigerlich die Bilder der Massendeportation nach Auschwitz aus dem Film ‹Schindlers Liste› hochgekommen. Ich kann nichts dafür, das ist einfach so passiert.» Der Badener ging gar noch weiter: «Die Menschen, die dort deportiert wurden, die hatten eine kleine Chance zu überleben. Die Schweine, die fahren in den sicheren Tod.»

Später fragte Roland Büchel (SVP, SG) Bundesrat Alain Berset, ob die Äusserungen Frickers «nicht ziemlich daneben» gewesen seien. Der Bundesrat sehe keine derartige Verbindung und lehne jede Verbindung ab, die gemacht werden könnte, antwortet dieser.

Noch während der Debatte äusserte sich auch Fricker noch einmal – und zeigte sich reuig: «Ich möchte mich in aller Form für meinen unangemessenen Vergleich entschuldigen, den ich in meiner Naivität gemacht habe. Danke, dass Sie meine Entschuldigung annehmen. Sie kommt von Herzen.»

Gemeindebund beschwichtigt

Jonathan Kreutner, Generalsekretär des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds (SIG) verurteilt zwar die Aussagen Frickers: «Der Vergleich ist natürlich nicht haltbar.» Allerdings habe Fricker das ja selber eingesehen und sich sofort im Parlament und auch persönlich beim SIG entschuldigt. «Wenn dieser Fehltritt nun trotz Frickers Entschuldigung skandalisiert wird, bringt das niemandem etwas», schreibt Kreutner weiter. «Für uns ist die Angelegenheit erledigt. Wir bleiben mit Fricker im Gespräch.»

Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli (links) bezeichnet den Vergleich von Jonas Fricker (rechts) als «inakzeptabel». (Keystone/Anthony Anex)
Grünen-Fraktionschef Balthasar Glättli (links) bezeichnet den Vergleich von Jonas Fricker (rechts) als «inakzeptabel». (Keystone/Anthony Anex)

Die Grünen reagieren mit einer Mitteilung von Fraktionspräsident Balthasar Glättli (ZH): «Der von Jonas Fricker im Nationalrat gemachte Vergleich ist inakzeptabel. Die Grünen verurteilen diese Aussage ohne Wenn und Aber.»

Schon der ebenfalls aus Baden stammende grüne Vorgänger Frickers im Nationalrat, Geri Müller, sorgte mit der Aussage für Empörung, dass der israelische Staat mit den Palästinensern das Gleiche mache wie die Nationalsozialisten mit den Juden.

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