Kampagne und Gegenkampagne

Erst die «Weltwoche», jetzt Pro Ecclesia: Bischof Huonders Anhänger schlagen zurück.

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Ein Bischof müsse das Recht haben, sich auf die Bibel zu berufen. «Oder soll jetzt ein Index der verbotenen Bibelverse verordnet werden?» Das fragt die katholische Volksbewegung Pro Ecclesia in ihrem Inserat vom Montag im «Tages-Anzeiger» und fordert: «Schluss mit der unfairen Kampagne gegen Bischof Vitus Huonder!»

Wurde wirklich ein Feldzug gegen Huonder geführt? War es nicht eher spontane Empörung gegen den Bischof, der eine Grenze überschritt? Pro Ecclesia findet, wenn ein Christ die Bibel nicht mehr zitieren dürfe, stehe es schlimm um unsere Gesellschaft.

Aber Huonder hat nicht nur zitiert, sondern die Zitate als richtungsweisend gewürdigt. Sie genügen, sagte er, um der Frage der Homosexualität aus der Sicht des Glaubens «die rechte Wende» zu geben. Auch wenn er hernach beteuerte, nicht die Todesstrafe zu befürworten, hat er doch auf sie angespielt. Immerhin wird sie noch im Weltkatechismus von 1992 als letztes Mittel zum Selbstschutz einer Gesellschaft akzeptiert. Selbst wenn es eine Kampagne der Huonder-Gegner gab – sie war berechtigt. So kann man nicht mit Bibelzitaten umgehen. Kein Pfarrer zitiert solche Stellen, ohne ihn in den geschichtlichen Kontext zu stellen. Kein Korangelehrter zitiert den Vers, man solle Ungläubige töten, ohne sich davon abzugrenzen. Es sei denn, er ist ein Hassprediger.

Huonder hat sich entschuldigt. Jetzt sieht es aber ganz nach Gegenkampagne aus. Zuerst geisselte sein Weihbischof den digitalen Mob. Dann klagte «Die Weltwoche», der Bischof sei medial verbrannt worden. Jetzt behauptet Pro Ecclesia, mit Hetze gegen Huonder solle die Kirche zur Änderung ihrer Lehre gezwungen werden. Das ist eine Kampagne mit dem Ziel, den Bischof reinzuwaschen und die Kritiker zu demontieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2015, 23:33 Uhr

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