Kampfjet-Gegner holen sich Munition in Österreich

Das Nachbarland braucht neue Abfangjäger, will dafür aber viel weniger Geld ausgeben als die Schweiz.

Anstelle von Hochleistungsjets will die SP leichtere und billigere Flugzeuge kaufen. Foto: Keystone

Anstelle von Hochleistungsjets will die SP leichtere und billigere Flugzeuge kaufen. Foto: Keystone

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Bei der Milliarden-Frage zieht die SP den Joker: Sie bringt jetzt Österreich als Argument ins Spiel, um den 6 Milliarden teuren Kampfjetkauf zu bodigen. Die Österreicher brauchen ebenfalls Abfangjäger. Die neue Regierung von Bundeskanzler Sebastian Kurz wird bald entscheiden, welchen Typ sie bestellt. Sie tut sich schwer damit – zumal die letzte Beschaffung des Eurofighter von einem Schmiergeldskandal überschattet wurde. Schon jetzt ist aber klar, dass Österreich im Vergleich zur Schweiz deutlich weniger Geld ausgeben wird.

Mehr noch: Die österreichische Armee wagt sich nicht einmal, Ansprüche wie ihr Schweizer Pendant zu stellen. In einem Bericht bezifferten letzten Herbst Experten des Bundesheeres die benötigten Mittel auf 1 Milliarde Euro. Mit dem Geld würden alte Saab-105-Düsentrainer ersetzt, und der Eurofighter bekäme ein Update. Eine früher präsentierte Variante sieht vor, beide Typen für rund 2 Milliarden Euro auszutauschen. Dies kostet immer noch rund dreimal weniger als die Ersatzlösung für die alten Tiger und F/A-18 in der Schweiz.

SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf sagt deshalb: «Der Luftraum kann mit deutlich weniger Geld geschützt werden, als uns das Verteidigungsdepartement weismachen will.» Sie betont, dass Österreich ein Nachbarland mit ähnlicher Topografie sei und wie die Schweiz nicht der Nato angehöre.

Anstelle von Hochleistungsjets will die SP leichtere und billigere Flugzeuge kaufen. Sie würden für den Luftpolizeidienst eingesetzt. Dadurch könnten die F/A-18 geschont und länger verwendet werden. Als Zweitflugzeug käme etwa der Leonardo M-346 aus Italien infrage, der auch in Österreich als Saab-Ersatz gehandelt wird. «Das Beispiel Österreich bestätigt, dass unser Alternativkonzept kein Hirngespinst ist», sagt Seiler Graf. Doch das VBS habe kostengünstigere Modelle nicht einmal geprüft.

SVP: «Österreich hat keine funktionierende Luftwaffe»

Unter anderem mit dem Österreich-Argument bekämpften die Gegner in der Schweiz schon 2014 den Gripen. Der damalige Verteidigungsminister Ueli Maurer sorgte sogar für einen Eklat, als ihn das Schweizer Fernsehen vor laufender Kamera konfrontierte. Er geisselte einen Beitrag, in dem die Verhältnisse in Österreich Thema waren, als einseitig und tendenziös.

Nach wie vor lassen die Befürworter das Beispiel Österreich nicht gelten. Obwohl sich die zwei Länder in vielem ähnelten, sei der Vergleich «sehr schlecht», sagt SVP-Nationalrat Thomas Hurter. «Österreich hat keine funktionierende Luftwaffe wie wir. Sie ist nur eingeschränkt handlungsfähig.»

Österreichs Flotte ist klein: 15Eurofighter und ein Dutzend Saab 105. Das VBS will gemäss neusten Zahlen 36 bis 40 Jets bestellen. Die Luftwaffe der Österreicher ist zudem defensiver ausgerichtet, und ihre Flieger überwachen den Luftraum nur am Tag. In der Schweiz sind ab 2021 rund um die Uhr Interventionen möglich. «Wenn man eine Luftwaffe wie die Österreicher betreibt, braucht es weniger Flugzeuge. Deshalb sind auch ihre Kosten bei der Beschaffung tiefer», sagt Hurter, der Pilot ist.

Die Kampfjetgegner starteten diese Woche das Referendum. Ob ihr Österreich-Joker sticht, zeigt sich spätestens im Herbst bei der Abstimmung über die 6-Milliarden-Frage.



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Erstellt: 12.01.2020, 18:55 Uhr

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