Kampfkandidatur aus Rache?

SVP-Nationalrat Rime will SP-Präsident Christian Levrat aus dem Ständerat drängen. Die SP findet das Vorgehen «lamentabel».

Tag der Abrechnung: Jean-François Rime (SVP, rechts) will Christian Levrat (SP) den Freiburger Ständeratssitz nicht kampflos überlassen.

Tag der Abrechnung: Jean-François Rime (SVP, rechts) will Christian Levrat (SP) den Freiburger Ständeratssitz nicht kampflos überlassen. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Die Nationalratswahlen entschied die Freiburger SVP klar für sich. Sie errang auf Kosten der SP einen zweiten Sitz und überholte diese mit 25,6 Prozent Wähleranteilen. Anders bei den Ständeratswahlen: SVP-Kandidat Emanuel Waeber belegte nur den vierten Platz, abgeschlagen hinter SP-Präsident Christian Levrat, Beat Vonlanthen (CVP) und Jacques Bourgeois (FDP). Das absolute Mehr verpassten alle Kandidaten.

FDP und CVP einigten sich, dass sich FDP-Kandidat Bourgeois zugunsten von CVP-Mann Vonlanthen zurückzieht. Sie gingen davon aus, dass die SVP dasselbe tun würde. Doch weit gefehlt: Diese nominierte für den zweiten Wahlgang am 8. November über Nacht Jean-François Rime anstelle Waebers. Der Unternehmer, Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes aus Bulle sagt, er habe sich nach Bourgeois’ Rückzug gedacht: «Unter diesen Umständen trete ich an. Wir können Levrat nicht einfach so in den Ständerat spazieren lassen.» Dieser habe nicht einmal 45 Prozent der Stimmen erhalten. Rime dementiert, dass die SVP Schweiz ihn an­gewiesen habe, sich als Kampfkandidat aufzustellen, wie medial kolportiert wurde. Das habe er selbst entschieden.

Auch die CVP ist schlecht auf die SVP zu sprechen

Die SP nimmt die Kampfkandidatur ernst. Kantonalpräsident Benoît Piller hält sogar eine Abwahl Levrats für «nicht ausgeschlossen». Das Manöver der SVP sei «lamentabel». Der Partei gehe es nur darum, sich für Levrats Beteiligung an der Wahl von BDP-Bundesrätin Widmer-Schlumpf zu rächen.

Auch die CVP ist schlecht auf die SVP zu sprechen. Zwar sind CVP-Volkswirtschaftsdirektor Vonlanthen und Rime familiär verbunden, ihre Ehefrauen sind Cousinen, aber da endet ihre Freundschaft dieser Tage auch schon. Vonlanthen kritisiert, der zweite Wahlgang koste den Kanton 420'000 Franken. Rime kontert: «Unser demokratisches System darf nicht wegen der Kosten infrage gestellt werden.» In den «Freiburger Nachrichten» drohte er Vonlanthen damit, die Ausgaben seines Departements zu durchleuchten. Trotz der Attacke beteuert Rime, seine Kampagne ziele alleine auf Levrat ab. Er empfiehlt dem Wahlvolk, neben ihm auch Vonlanthen zu wählen. Denn Rime weiss: Würde er anstelle von Vonlanthen Ständerat, verlöre das deutschsprachige Freiburg seine Standesstimme. Das wäre staatspolitisch heikel: Der Kanton legt grossen Wert auf den sprachregionalen Ausgleich.

Erstellt: 04.11.2015, 08:42 Uhr

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