«Kannst Du jetzt nicht 1 Million lockermachen?»

Die Schwyzer Kantonalbank kaufte sich zu überhöhtem Preis bei einer Vorsorgefirma ein. Jetzt zeigt sich, dass der Präsident private Geschäfte mit dem Inhaber betrieb. 

Die Beteiligungen seien nach den geltenden internen Richtlinien der Bank transparent abgewickelt worden, beteuerte Kuno Kennel diesen Frühling. Foto: Andre Herger Fotografie

Die Beteiligungen seien nach den geltenden internen Richtlinien der Bank transparent abgewickelt worden, beteuerte Kuno Kennel diesen Frühling. Foto: Andre Herger Fotografie

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Kuno Kennel hat einen Traum. Der Präsident der Schwyzer Kantonalbank will sein Institut zu einer führenden Anbieterin von Finanzdienstleistungen in der ganzen Deutschschweiz machen. Das Motto, das der langjährige FDP-Politiker seinen gut 500 Mitarbeitern dafür vorgab: «Grenzen überwinden».

Jetzt verdichten sich die Anzeichen, dass sich Kuno Kennel selbst etwas zu leichtfertig über Grenzen hinwegsetzt, über die Grenzen der Corporate Governance. Konkret: dass er die Interessen seiner Bank und seine persönlichen vermischte. Schon seit April untersucht eine Kommission des Schwyzer Kantonsrats die Vorwürfe. Nun stützen neue Dokumente den Verdacht der Interessenkollision. 

Im Zentrum der Affäre steht die Geschäftsbeziehung zwischen Banker Kuno Kennel und dem schillernden Immobilien-Unternehmer Serge Aerne. 2014 kaufte sich die Schwyzer Kantonalbank auf Drängen Kuno Kennels bei der von Serge Aerne gegründeten Nova Vorsorge AG ein, die Pensionskassen Beratungsdienstleistungen verkauft. Aerne machte ein gutes Geschäft. Die Schwyzer Kantonalbank hingegen kam bald zur Einschätzung, dass der Kaufpreis zu hoch gewesen war. 2016 nahm die Bank auf ihrer Nova-Beteiligung einen Abschreiber von 10 Millionen Franken vor. Den Schaden hatte die öffentliche Hand, die die alleinige Besitzerin der Kantonalbank ist.

2014 und 2015 erhielt Kennel mehrere Zehntausend Franken Beraterhonorare von Aerne, wie das Branchenportal «Inside Paradeplatz» berichtete.

Kuno Kennel beteuerte diesen Frühling gegenüber dem Schwyzer Kantonsparlament, die Beteiligungen seien nach den geltenden internen Richtlinien der Bank transparent abgewickelt worden. Zudem seien die Organe inklusive Geschäftsleitung und Bankrat stets miteinbezogen gewesen. 

Was dem Bankrat hingegen verborgen blieb: wie intensive Geschäftsbeziehungen Kennel damals direkt mit Aerne pflegte. So erhielt Bankpräsident Kennel 2014 und 2015 mehrere Zehntausend Franken Beraterhonorare von Aerne, wie das Branchenportal «Inside Paradeplatz» berichtete. Zudem bahnte Kennel private Geschäfte mit Serge Aerne an. Kennel drängte Aerne etwa dazu, in eine Firma namens Aerius Holding AG zu investieren, bei der Kennel im Verwaltungsrat sass. Das entsprechende Mail vom 14. Mai 2014 liegt dieser Zeitung vor. Betreff: «Kannst Du jetzt nicht 1 Millionen für Aerius lockermachen?» 

Der Deal kam wenig später zustande. Aerne schoss eine Million Franken ein. Er benutzte dafür die von ihm gegründete Phoenix-Pensionskasse, die derzeit in finanzieller Schieflage ist und gegen die aufsichtsrechtliche Verfahren im Gang sind. Aus dem Phoenix-Geschäftsbericht 2014 geht hervor, dass das Aerius-Investment in zwei Tranchen 2014 und 2015 einbezahlt wurde. Doch das Geld war nicht gut angelegt. Bereits 2015 rutschte die Anlage in die Verlustzone.

Dass Kennel 2014 mit Aerne so intensive Geschäftsbeziehungen pflegte, sorgt im Kanton Schwyz für Verwunderung.

Hat Kennel persönlich vom Aerius-Deal profitiert? Bestand allenfalls sogar ein Bezug zur Beteiligung der Kantonalbank an der Nova-Vorsorgeeinrichtung, die praktisch zeitgleich ablief? Kuno Kennel bestreitet dies. Er habe lediglich als Verwaltungsrat der Aerius Holding Investoren gesucht und deshalb Aerne angesprochen. Persönlich habe er «in keiner Art und Weise einen Profit oder nicht gebührenden Vorteil» aus dem Deal mit Aerne gezogen. Auf die Frage, ob die zuständigen Gremien der Kantonalbank über diese Geschäftsbeziehung im Bilde waren, schreibt Kennel: «Die Frage ist falsch. Ich habe zu keinem Zeitpunkt Verhandlungen mit Serge Aerne geführt, sondern hatte die Parteien einander vorgestellt.»

Dass Kennel 2014 mit Aerne so intensive Geschäftsbeziehungen pflegte, sorgt im Kanton Schwyz für Verwunderung. Viele Politiker geben sich aber zugeknöpft. Kennel, der selbst zwölf Jahre lang dem Kantonsrat angehörte, ist in Schwyz bestens vernetzt und unter anderem geschäftlich mit FDP-Präsidentin Petra Gössi verbunden. «Wir kommunizieren erst, wenn die Untersuchung zur Kantonalbank abgeschlossen ist», sagt Othmar Büeler, SVP-Kantonsrat und Präsident der Aufsichtskommission, die seit April den Vorwürfen gegen Kennel nachgeht.

Die Frage, ob die Schwyzer Kantonalbank zu viel für ihre Nova-Beteiligung bezahlte, beschäftigt inzwischen die Gerichte.

Scharfe Kritik äussert jedoch SP-Präsident Andreas Marty: «Wenn es zutrifft, dass Kuno Kennel eine so enge Geschäftsbeziehung zu Serge Aerne pflegte, ist er als Bankpräsident nicht mehr haltbar. Dann muss er zurücktreten.» Es entstehe der Eindruck, dass da zwei unter einer Decke steckten und sich gegenseitig Deals zuschanzten. «Vielleicht wollte man es bei der Kantonalbank ja gar nicht so genau wissen, als man sich bei Aernes Vorsorgefirma einkaufte.»

Die Frage, ob die Schwyzer Kantonalbank zu viel für ihre Nova-Beteiligung bezahlte, beschäftigt inzwischen die Gerichte. Die Kantonalbank hat Anzeige gegen Aerne erstattet. Von Bilanzfälschung, ungetreuer Geschäftsführung, Urkundenfälschung und versuchter Erpressung war die Rede. Aerne bestreitet dies alles. Im zivilrechtlichen Verfahren hat das Bezirksgericht Schwyz die Klage soeben abgewiesen. Die Mängelrüge der Schwyzer Kantonalbanksei zu spät erfolgt, so das Urteil. Das Gericht habe die Unregelmässigkeiten leider gar nicht geprüft, sagte Peter Geisser, Sprecher der Kantonalbank, gestern. Anders stellt dies Aernes Sprecher Hans Klaus dar: Die Abweisung sei «vollumfänglich» erfolgt. Zudem hätten die Kläger nicht beweisen können, ob überhaupt ein Schaden entstanden sei. Hans Klaus bestätigt auch, dass nun Aerne seinerseits Strafanzeige wegen falscher Anschuldigung eingereicht habe. Diese richtet sich unter anderem gegen seinen einstigen Geschäftspartner – Bankpräsident Kuno Kennel. 

Erstellt: 20.09.2019, 06:09 Uhr

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