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Kantone reagieren auf Zebrastreifen-Unfälle – das Parlament nicht

Der Kanton Zürich verbessert die Beleuchtung, der Kanton Tessin hebt mehrere Fussgängerstreifen auf. Der Nationalrat dagegen will nichts überstürzen.

Wähnt sich auf dem Streifen in Sicherheit: Fussgänger in Zürich.
Wähnt sich auf dem Streifen in Sicherheit: Fussgänger in Zürich.
Keystone

Die Serie von Unfällen auf Schweizer Zebrastreifen hat die Diskussion um die Sicherheit der Fussgänger ins Rollen gebracht. Die zum Teil tödlichen Fussgängerunfälle heizten auch die Diskussionen im Nationalrat an, wo das Verkehrssicherheits-Paket Via Sicura zur Debatte stand. Die grosse Kammer will aber nicht mit einem Passus zur Sanierung von Zebrastreifen mit Sicherheitsmängeln auf die Ereignisse reagieren.

Der Nationalrat lehnte einen Antrag aus den Reihen der SP mit 98 zu 83 Stimmen ab. Konkret sollten der Bund, die Kantone und die Gemeinden verpflichtet werden, besonders bei den Fussgängerstreifen auf die Einhaltung der sicherheitsspezifischen Baunormen zu achten.

200 Millionen Franken würde es nach dem Antragssteller Matthias Aebischer (SP/BE) kosten, alle Fussgängerstreifen zu sanieren, welche den Sicherheitsstandards nicht genügten. Rund die Hälfte der 45'000 Zebrastreifen in der Schweiz erfüllten die Normen des Schweizerischen Verbandes der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) nicht.

Beleuchtung verbessern

Reagiert hat man im Kanton Zürich: Um weitere Fussgängerunfälle zu verhindern, will die Kantonspolizei nun alle Unfallorte inspizieren und auch andere, als besonders heikel bekannte Zebrastreifen auf ihre Gefährlichkeit prüfen. Noch in diesem Winter will man sagen können, an welchen Fussgängerstreifen Handlungsbedarf besteht.

Als Massnahmen gegen weitere Unfälle sind laut Ueli Zoelly, Chef der Verkehrspolizei, neue Beleuchtungen oder allenfalls das Verschieben von Laternen denkbar. Was das Tempo der Umsetzung betrifft, muss Zoelly die Erwartungen jedoch dämpfen. Man könne die Laternen natürlich nicht selber neu platzieren, sondern müsse dabei mit dem Tiefbau-Amt zusammenarbeiten.

Alle Unfälle könne man aber auch mit optimierter Beleuchtung nicht verhindern, so etwa, wenn Autofahrer telefonieren oder im Bereich der Fussgängerstreifen zum Überholen ansetzen würden. Die Zürcher Polizei wird deshalb auch ihre Kontrollen bei Fussgängerstreifen verstärken.

Tessin hebt 40 Übergänge auf

Der Kanton Tessin erkannte das Problem schon seit einiger Zeit und hob in den vergangenen Monaten rund vierzig Zebrastreifen auf. Die Massnahme soll verhindern, dass sich Fussgänger in falscher Sicherheit wiegen, sagte Carlo Celpi, Stabschef des Tessiner Bauamtes, zu einer Meldung des «Corriere del Ticino».

Stattdessen würden Gemeinden angeregt, ihr gesamtes Verkehrskonzept zu überdenken. So trage unter Umständen eine allgemeine Verkehrsberuhigung im Ortskern mehr zum Schutz der Fussgänger bei als ein wenig frequentierter Zebrastreifen an unübersichtlicher Stelle.

An verschiedenen Stellen im Tessin wurden bereits Baumassnahmen für mehr Sicherheit ergriffen. Der Kanton habe im vergangenen Jahr begonnen, alle rund 700 Zebrastreifen zu überprüfen. Für etwa 500 davon lägen bereits Ergebnisse vor.

Sanierung koordinieren

Die Stiftung RoadCross forderte in einem Communiqué, dass die Entschärfung von gefährlichen Fussgängerübergängen gesamtschweizerisch koordiniert wird. RoadCross habe schon im Frühling dieses Jahres zusammen mit dem ACS die Diskussion über Präventionsmassnahmen beim Fonds für Verkehrssicherheit (FVS) angestossen.

Der FVS habe vor wenigen Tagen nun eine entsprechende Kampagne für März 2012 in Aussicht gestellt. RoadCross wertet es auch als gutes Zeichen, dass mehrere Kantonspolizeien in letzter Zeit ihre Präsenz an Fussgängerstreifen erhöht hätten.

SDA/miw

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