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Fast alle wollen Keller-Sutter, Wicki kämpft trotzdem

Der Herausforderer hofft, die FDP-Ständerätin im Rennen ums Bundesratsamt noch abfangen zu können. Auf Hilfe seiner Parteikollegen kann er kaum zählen.

FDP und CVP präsentieren ihr Zweierticket. Video: SDA

Hans Wicki ist ein Mann mit intaktem Sinn für die Realität. Einige Minuten nachdem ihn die FDP-Fraktion gestern offiziell für die Bundesratswahlen nominiert hatte, äusserte sich der 54-jährige Nidwaldner Ständerat über seine Wahlchancen. Er habe sich vorgenommen, sagte Wicki, das Unmögliche möglich zu machen.

Das Unmögliche, das ist die Nichtwahl von Karin Keller-Sutter am 5. Dezember. Und dieses Unmögliche ist gestern noch einmal ein bisschen unmöglicher geworden. An der Nominationsversammlung der FDP im Bundeshaus hat sich nämlich erstmals offenbart, welchen Rückhalt die 54-jährige St. Galler Ständerätin bei ihren freisinnigen Parlamentskollegen geniesst. Schon im ersten Wahlgang schaffte es Karin Keller-Sutter alias KKS auf das Ticket, mit nicht weniger als 38 von 41 Stimmen.

Dieses Resultat zeige, dass die Fraktion ein starkes Bedürfnis verspüre, wieder mit einer Frau im Bundesrat vertreten zu sein, sagte FDP-Fraktionschef Beat Walti. Es ist damit davon auszugehen, dass Keller-Sutter auch bei der Bundesratswahl vom 5. Dezember viele Stimmen aus der eigenen Fraktion erhalten wird.

KKS will jetzt Farbe bekennen

Sie sei erfreut über das ihr ausgesprochene Vertrauen, sagte Karin Keller-Sutter gestern Abend. Die Nomination gebe ihr Kraft und Ruhe für den weiteren Parcours. Keller-Sutter versprach auch, ihre bisherige Zurückhaltung bei sachpolitischen Fragen jetzt abzulegen. In den letzten Wochen hatte sie sich mit Verweis auf das Ständeratspräsidium, das sie derzeit noch bekleidet, kaum zu tagespolitischen Fragen geäussert.

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Für Fabian Renz kommt besonders eine Nominierung überraschend.

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Sehr deutlich fiel auch die Ausmarchung um den zweiten Platz auf dem FDP-Ticket aus. Im Duell zwischen Ständerat Hans Wicki und dem Schaffhauser Regierungsrat Christian Amsler behielt Ersterer mit 29 von 41 Stimmen das bessere Ende für sich.

Gespräche mit Fraktionsmitgliedern ergaben, dass Wicki insbesondere mit seiner Erfahrung in der Privatwirtschaft punktete. Bis 2010 führte der Nidwaldner ein grosses Elektrotechnik-Unternehmen in der Schweiz und Südafrika. Amsler habe sich gestern zwar sehr gut präsentiert, sagten Freisinnige. Zum Verhängnis wurden ihm aber seine geringe Vernetzung in Bern und sein Profil als ehemaliger Primarlehrer und Prorektor. Mit dem früheren Kantonsarzt Ignazio Cassis hat die FDP bereits einen Mann im Bundesrat, der seine Karriere beim Staat gemacht hat.

Wickis grösstes Handicap

In den kommenden Tagen will Wicki voll auf seine Wirtschaftserfahrung setzen. Sein grösstes Handicap sind seine mangelnden Französischkenntnisse. Auch gestern sprach der Nidwaldner ausschliesslich Deutsch. «Ich habe es immer wieder gesagt: Ich bin kein Sprachgenie», sagte Wicki. Er gehe aber davon aus, dass er im Falle einer Wahl die Sprache rasch lernen werde. Christian Amsler räumte ein, dass er enttäuscht sei. Doch werde er den Blick jetzt nach vorne richten und sich dafür einsetzen, dass die FDP Schaffhausen bei den Wahlen 2019 einen Sitz in Bern zurückerobert.

Zu reden gab gestern auch der Entscheid, einen ersten Kandidaten bereits in der Nominationsphase zu eliminieren und nur ein Zweierticket vorzuschlagen. Mehrere Gründe hätten für dieses Vorgehen gesprochen, erklärte Fraktionschef Beat Walti. «Wir wollten nicht den leichtesten Weg gehen, sondern selbst eine Auswahl treffen.»

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