Marx- oder Blocher-Button für Journalisten

Von wegen linke SRG: Ausgerechnet Politiker fordern Transparenz.

Der Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti verlangt ein politisches Outing von SRG-Mitarbeitern. Foto: Keystone

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Journalismus setzt eine kritische Haltung voraus, alles andere heisst Werbung oder Propaganda. Diese Voraussetzung mag erklären, warum Journalistinnen und Journalisten eher links denken, also anders als die bürgerliche Mehrheit, welche die meisten Länder regiert. In den USA zum Beispiel wählt die Mehrheit der Medienleute demokratisch. Wobei zu klären wäre, ob das für europäische Verhältnisse schon links ist.

Viel zu reden wegen der No-Billag-Abstimmung gibt ein Befund aus der Schweiz: dass auch in der SRG eine eher linke Einstellung zu überwiegen scheint. Dies hat eine Umfrage der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ergeben: Über zwei Drittel der Befragten gaben an, sie stünden Mitte-links.

Der Zürcher SVP-Nationalrat Claudio Zanetti fordert jetzt Transparenz. Wer bei der SRG journalistisch arbeite, verlangt er in einer parlamentarischen Initiative, müsse sich politisch outen. Zanetti empfiehlt ein bewährtes Messinstrument: Smartspider, das ist eine Grafik, die politische Einstellungen und Werte anhand von thematischen Achsen abbildet.

Parlamentsmitglieder sollten die Namen ihrer Sponsoren auf dem Rücken tragen.

Aber genügt das? Man kann von einem Parlamentarier nicht erwarten, dass er vor jedem Interview nachschauen geht, wo der Fernseh­reporter und die Radiofrau politisch stehen. Also sollten die Journalisten Badges am Revers tragen, zum Beispiel mit einem Bild von Karl Marx oder Christoph Blocher. Allenfalls wären Abkürzungen zu erwägen, Li, Mi, Re, Op für links, Mitte, rechts, opportunistisch.

Und weil uns das mit der Transparenz auch so wichtig ist, gerade wir Journalisten rufen ununterbrochen nach Transparenz – im Militär, in der Justiz, in der Verwaltung sowieso, aber auch bei der Politik: In diesem Zusammenhang würden wir der SVP eine parlamentarische Initiative nahelegen, gegen deren Forderung sie sich kurioserweise immer gewehrt hat – dass nämlich jede Schweizer Partei offenlegen muss, von wem sie wie viel Geld bekommt. Zudem sollten Parlamentsmitglieder die Namen ihrer Sponsoren auf dem Rücken tragen, so wie die Fussballer.

Volle Transparenz: Deal or No Deal?

Erstellt: 12.12.2017, 20:15 Uhr

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