Kauft Schweizer Waffen!

Ein Verkaufsgespräch zwischen der Schweiz und einem potenziellen Kunden.

Ein Mitarbeiter des Rüstungskonzerns Ruag bearbeitet 2009 ein Panzerrohr beim Werterhaltungsprogramm des «Leopard». Foto: Keystone

Ein Mitarbeiter des Rüstungskonzerns Ruag bearbeitet 2009 ein Panzerrohr beim Werterhaltungsprogramm des «Leopard». Foto: Keystone

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Verkaufsstand.

Schweiz: Schweizer Sturmgewehre! Grosskalibermunition! Nachtsichtzielgerät für Kleinwaffen! Alles, was das Kriegsherz begehrt! Greift zu! Jetzt neu auch für Länder erhältlich, die in einem bewaffneten Konflikt stehen! Greift zu!

Käufer: Guten Tag.

Schweiz: Grüezi.

Käufer: Darf ich wirklich wieder bei Ihnen einkaufen, obwohl mein Land sich im Bürgerkrieg befindet?

Schweiz: Ganz genau, unsere Gesetze für den Waffenexport wurden just gelockert. Sie dürfen nach Herzenslaune bei uns einkaufen, wenn Sie bestätigen, dass Sie unser Kriegsmaterial nicht in Ihrem Bürgerkrieg einsetzen.

Käufer: Aber natürlich setze ich es ein, warum sollt ich es sonst kaufen?

Schweiz: Jetzt habe ich Sie akustisch nicht verstanden.

Käufer: Ach so ... ehm, wir greifen im bewaffneten Konflikt natürlich lieber auf unser eigenes, etwas veraltetes und verrostetes Material zurück.

Schweiz: Wunderbar. Dann habe ich noch ein paar Fragen. Begehen Sie schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen?

«Wir haben Milliarden von Steuergeldern investiert, damit unsere Armee unsere Waffen mehrfach im Jahr testen kann.»

Käufer: Als schwerwiegend würde ich die jetzt nicht bezeichnen.

Schweiz: Und das Völkerrecht respektieren Sie auch?

Käufer: Welches Recht?

Schweiz: Wunderbar! Dann sind Sie in unsere Kundenkartei aufgenommen. Ihre Bewilligung ist neu für ganze zwei Jahre gültig statt bisher ein Jahr.

Käufer: Das ist ja toll. Wie kommt es plötzlich dazu?

Schweiz: Unsere Waffenexporte nehmen zwar zu, trotzdem haben unsere Rüstungsindustriellen Sorgen, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Das nehmen wir ernst.

Käufer: Ich dachte, in der Schweiz herrscht praktisch Vollbeschäftigung?

Schweiz: Was suchen Sie genau? Panzer? Waffen? Munition? Ich kann diese Granatwerfer empfehlen, brandneues Modell, vielseitig einsetzbar, leicht, hoch präzise, einfache Handhabung und hervorragende Zerstörungsresultate. Wir haben Milliarden von Steuergeldern investiert, damit unsere Armee unsere Waffen mehrfach im Jahr testen kann. Das nennen wir Qualitätssicherung.

Käufer: Die Granate fühlt sich gut an.

Schweiz: Ab 1000 Stück gibts Rabatt.

Käufer: Toll, dass die Schweiz locker geworden ist. Seid ihr nicht mehr neutral?

Schweiz: Selbstverständlich sind wir neutral, und das verpflichtet uns, niemanden zu diskriminieren. Wir wollen all unseren Kunden offen begegnen, ganz egal welche Nationalität, welches Geschlecht, welche Ideologie, welche Sexualität und welche Kriegslüste sie haben.

«Wir wollen all unseren Kunden offen begegnen, ganz egal welche Kriegslüste sie haben.»

Käufer: Richtig.

Schweiz: Ich meine, wir können nicht Menschen diskriminieren, nur weil sie andere Menschen diskriminieren. Auch Arschlöcher sind Menschen. Auch ihnen darf der Zugang zu Waffen nicht erschwert werden.

Käufer: Toll, eure humanitäre Tradition habt ihr also abgeschafft?

Schweiz: Wissen Sie, wir haben uns gesagt: «Wenn wir es nicht tun, tun es andere.»

Käufer: Tun was?

Schweiz: Na, wenn wir das Tötungsmaterial nicht verkaufen, dann verkaufen es andere. Getötet wird so oder so.

Käufer: Ich hoffe aber sehr, mit Ihrem neuen Granatwerfermodell noch mehr erwischen und töten zu können.

Schweiz: Ach so.

Käufer: Schweizer Qualität eben.

Schweiz: Aber Sie setzen die Waffen ja nicht ein.

Käufer: Genau.

Schweiz: Gut.

Käufer: Dann nehme ich von den Granaten 5000 Stück.

Schweiz: Vielen Dank. Viel Freude damit! Ich hoffe, Sie bald wieder begrüssen zu dürfen. Übrigens, wollen Sie Bonuspunkte sammeln? Wir haben seit neustem eine Treuekarte.

Käufer: Treu? Ich? – Nein, ich bin nicht treu.

Erstellt: 03.09.2018, 19:41 Uhr

Dienstagskolumne

Die Autorin Laura de Weck schreibt
abwechselnd mit Barbara Bleisch, Michael Hermann und Rudolf Strahm.

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