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Kein Grund zur Empörung

Der Mörder von Marie wird doch nicht lebenslänglich verwahrt. Das Urteil ist korrekt, denn die Öffentlichkeit wird weiterhin vor ihm geschützt sein.

MeinungThomas Hasler
Der Mörder kommt beim Waadtländer Kantonsgericht an. (27. September 2018)
Der Mörder kommt beim Waadtländer Kantonsgericht an. (27. September 2018)
Laurent Gilliéron, Keystone
Das war am ersten Prozesstag: Der Angeklagte Claude D. (rechts) neben seinen Verteidigern Yael Hayat und Loic Parein. (7. März 2016)
Das war am ersten Prozesstag: Der Angeklagte Claude D. (rechts) neben seinen Verteidigern Yael Hayat und Loic Parein. (7. März 2016)
Frederic Bott, Keystone
Unter dem wohlwollenden Fragediktat seiner Verteidiger wurde der Mörder der 19-jährigen Marie S. zum ersten Mal redselig. (7. März 2016)
Unter dem wohlwollenden Fragediktat seiner Verteidiger wurde der Mörder der 19-jährigen Marie S. zum ersten Mal redselig. (7. März 2016)
Frederic Bott, Keystone
Der sonst stets gefasst wirkende Vater des Opfers (Zweiter von links) protestierte beim Gerichtspräsidenten: Fragwürdige Therapiegespräche gehörten nicht in einen Mordprozess. (7. März 2016)
Der sonst stets gefasst wirkende Vater des Opfers (Zweiter von links) protestierte beim Gerichtspräsidenten: Fragwürdige Therapiegespräche gehörten nicht in einen Mordprozess. (7. März 2016)
Frederic Bott, Keystone
Die Opferfamilie trifft am Montag vor dem Gericht in Renens ein: Das Ehepaar Antoine und Evelyne S. (aussen), Schwester Laetitia (Zweite von rechts) und ihr Anwalt Jacques Barillon (Zweiter von links). (7. März 2016)
Die Opferfamilie trifft am Montag vor dem Gericht in Renens ein: Das Ehepaar Antoine und Evelyne S. (aussen), Schwester Laetitia (Zweite von rechts) und ihr Anwalt Jacques Barillon (Zweiter von links). (7. März 2016)
Laurent Gillieron, Keystone
Die Anwälte des Täters: Yael Hayat (links) und Loic Parein (rechts), die Verteidiger von Claude D., erscheinen vor Gericht. (7. März 2016)
Die Anwälte des Täters: Yael Hayat (links) und Loic Parein (rechts), die Verteidiger von Claude D., erscheinen vor Gericht. (7. März 2016)
Laurent Gillieron, Keystone
Polizeipräsenz anlässlich der Prozesseröffnung gegen den Mörder von Marie S. vor dem Strafgericht in Renens. (7. März 2016)
Polizeipräsenz anlässlich der Prozesseröffnung gegen den Mörder von Marie S. vor dem Strafgericht in Renens. (7. März 2016)
Laurent Gillieron, Keystone
Der Fall erschütterte eine breite Öffentlichkeit: Gedenkmarsch für die getötete Marie in Lausanne. (20. Mai 2013)
Der Fall erschütterte eine breite Öffentlichkeit: Gedenkmarsch für die getötete Marie in Lausanne. (20. Mai 2013)
Laurent Gillieron, Keystone
Der Entführer und die Entführte: Der 36-jährige Claude D. und die 19-jährige Marie.
Der Entführer und die Entführte: Der 36-jährige Claude D. und die 19-jährige Marie.
Polizei
Hier hatte der Mann das 19-jährige Opfer in sein Auto gezerrt: Landstrasse bei Payerne. (14. Mai 2013)
Hier hatte der Mann das 19-jährige Opfer in sein Auto gezerrt: Landstrasse bei Payerne. (14. Mai 2013)
Keystone
Hier wurde Marie gefunden: ... (15. Mai 2013)
Hier wurde Marie gefunden: ... (15. Mai 2013)
Keystone
... Waldstück in der Nähe von Châtonaye im Kanton Freiburg. (15. Mai 2013)
... Waldstück in der Nähe von Châtonaye im Kanton Freiburg. (15. Mai 2013)
Keystone
Nach einer wilden Verfolgungsjagd konnte der Täter gestoppt werden: Der Wagen des Entführers auf der Strasse zwischen Vaulruz und Romont FR. (14. Mai 2013)
Nach einer wilden Verfolgungsjagd konnte der Täter gestoppt werden: Der Wagen des Entführers auf der Strasse zwischen Vaulruz und Romont FR. (14. Mai 2013)
Jean-Guy Python / Le Matin
Nur mit mehreren Schüssen konnte die Polizei den Täter stoppen. (14. Mai 2013)
Nur mit mehreren Schüssen konnte die Polizei den Täter stoppen. (14. Mai 2013)
Jean-Guy Python / Le Matin
Der Unfallwagen in der Nähe von Payerne. (14. Mai 2013)
Der Unfallwagen in der Nähe von Payerne. (14. Mai 2013)
Keystone
Während sich Marie nicht mehr im Auto befand, wurde der Täter festgenommen und leicht verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. (14. Mai 2013)
Während sich Marie nicht mehr im Auto befand, wurde der Täter festgenommen und leicht verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. (14. Mai 2013)
Keystone
Kerzen für Marie: Ein Andachtsgottesdienst für die getötete Frau in Villars. (17. Mai 2013)
Kerzen für Marie: Ein Andachtsgottesdienst für die getötete Frau in Villars. (17. Mai 2013)
Keystone
Informierten zum Fall Marie: Jean-François Meylan, Präsident des Waadtländer Kantonsgerichts, und der ehemalige Solothurner Oberstaatsanwalt Felix Bänziger. (30. August 2013)
Informierten zum Fall Marie: Jean-François Meylan, Präsident des Waadtländer Kantonsgerichts, und der ehemalige Solothurner Oberstaatsanwalt Felix Bänziger. (30. August 2013)
Keystone
Zum Gedenken: Eine Woche nachdem die Leiche von Marie gefunden wurde, veranstalten die Menschen in Lausanne einen Marche blanche. (20. Mai 2013)
Zum Gedenken: Eine Woche nachdem die Leiche von Marie gefunden wurde, veranstalten die Menschen in Lausanne einen Marche blanche. (20. Mai 2013)
Keystone
Rund 200 Personen nehmen an einem Marsch in Payerne VD teil. (15. Mai 2013)
Rund 200 Personen nehmen an einem Marsch in Payerne VD teil. (15. Mai 2013)
Keystone
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Claude D. sei nicht das personifizierte Schlechte, er habe ein anderes Gesicht gezeigt, schrieb sein Anwalt in seinem Buch, und von den Gerichten forderte er den Verzicht auf die lebenslängliche Verwahrung seines Mandanten.

Das Bundesgericht hat ihm Recht gegeben, aber nicht weil D. ein anderes Gesicht zeigte, sondern weil die Voraussetzung zur Anordnung der härtesten Massnahmen im Schweizer Strafrecht nicht erfüllt waren. Das Urteil ist korrekt, es gibt keinen Grund zur Empörung.

Das Problem liegt nicht beim Bundesgericht, sondern in der Bundesverfassung und im Strafgesetzbuch. Dort stehen Artikel, die toter Buchstabe sind. Sie gelangten dorthin, weil man der Bevölkerung Sand in die Augen streute. Weil man ihr weismachte, nur die lebenslängliche Verwahrung schütze die Öffentlichkeit absolut sicher. Weil man den falschen Eindruck erweckte, die Psychiatrie sei in der Lage, einen Straftäter mit einer Lebenserwartung von vielleicht weiteren dreissig bis fünfzig Jahren für dauerhaft untherapierbar zu erklären.

Diese Erklärung kann ein seriöser forensischer Psychiater im Normalfall nicht abgeben. Er würde sich in Widerspruch setzen zu den fachlichen und wissenschaftlichen Standards seiner Profession. Der Auffassung, dass mit «dauerhaft» eine Zeitdauer von zwanzig Jahren gemeint sein könnte, hat das Bundesgericht schon 2013 eine Absage erteilt. Und hat dabei auch auf Christoph Blocher verwiesen, der 2006 in der parlamentarischen Debatte selber «dauerhaft» mit «lebenslänglicher» Untherapierbarkeit gleichgesetzt hat.

Klar absehbar ist: Claude D. wird in der teilweisen Wiederholung des Prozesses zur bereits rechtskräftig gewordenen lebenslangen Freiheitsstrafe auch «normal» verwahrt werden. Die Öffentlichkeit ist damit vor ihm hinreichend geschützt.

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