Keine Ausreden mehr beim Auto

Der Anstieg der CO2-Emissionen zeigt: Klimaziele gibt es in der Schweiz nur auf dem Papier.

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Wer Ja zum Klimaschutz sagt – und das sagen nach Umfragen die meisten in der Schweiz –, der kann grundsätzlich keinen weiteren Anstieg von klimaschädlichen Treibhausgasen mehr tolerieren. Nun steigen die CO2-Emissionen bei der Neuwagenflotte seit zwei Jahren wieder an, nicht viel, ein paar wenige Gramm pro Kilometer. Aber das per Gesetz vorgeschriebene Reduktionsziel der Schweiz von 130 Gramm wird damit verletzt. Ende 2020, also in zwei Jahren schon, wird ein neuer CO2-Grenzwert eingeführt: 95 Gramm.

Das Neuwagenziel ist das wirkungsvollste Instrument im Verkehr, um die klimapolitischen Ziele der Schweiz zu erreichen. Wenn also nicht einmal eine Stabilisierung der Emissionen erreicht wird, sondern ein weiterer Anstieg, dann gilt es, die Massnahmen des Bundes zu hinterfragen.

Die Autoimporteure müssen Bussen zugunsten von Klimaprojekten zahlen, wenn die Neuwagenziele nicht eingehalten werden. Genügt die Strafsteuer, um den Verkauf auf Elektro- und Hybridautos zu lenken? Hat die Schweiz ein genügend dichtes Ladenetz in zwei Jahren, um einen Boom für Elektroautos zu lancieren? Wäre eine CO2-Steuer für Treibstoffe nicht doch der effektivste Weg, die Reduktionsziele zu erreichen?

Doch die Autobranche lamentiert lieber über die rückläufigen Verkaufszahlen bei Dieselfahrzeugen, die weniger CO2 ausstossen als Benziner. Sie malt das düstere Szenario von Strafzahlungen in Millionenhöhe, wenn der neue CO2-Grenzwert für Neuwagen eingeführt wird. Und der Bundesrat ist ihr behilflich und lässt zu, dass emissionsarme Autos und Elektrofahrzeuge in der CO2-Buchhaltung mehrfach angerechnet werden dürfen.

Zur Erinnerung: Die Emissionen aus Treibstoffen müssen 2020 gemäss CO2-Verordnung mindestens 10 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen. Derzeit sind sie 3 Prozent darüber.

Erstellt: 30.01.2019, 22:36 Uhr

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