Kinder einsperren hilft

Haben Kita-Kinder einen tieferen Intelligenzquotienten? Davon sind Toni Bortoluzzi, ehemaliger SVP-Nationalrat, und sein Verein Schutzinitiative überzeugt.

«Die Betreuung durch die Eltern und die Werte der Familie können für mich durch nichts ersetzt werden»: Toni Bortoluzzi.

«Die Betreuung durch die Eltern und die Werte der Familie können für mich durch nichts ersetzt werden»: Toni Bortoluzzi. Bild: GIAN EHRENZELLER / 2014/Keystone

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Er hat es wieder getan: Toni Bortoluzzi, 71-jährig, ehemaliger Zürcher SVP-Nationalrat und ehemaliger Gesundheitspolitiker, lanciert eine Provokation der heftigeren Sorte: Kita-Kinder hätten einen tieferen Intelligenzquotienten als im Schosse der Familie herangewachsene Kinder. Der Hintergrund ist sein durch und durch konservatives Weltbild, wie er dem «Blick» unverhohlen eingestand: «Die Betreuung durch die Eltern und die Werte der Familie können für mich durch nichts ersetzt werden.» Es ist Bortoluzzis gutes Recht, einem traditionellen Familienbild nachzuleben. Doch all jenen Eltern zu unterstellen, sie würden mit der Fremdbetreuung in einem Krippenplatz ihre Kinder hochgradig gefährden, als Minderbemittelte zu enden, ist beleidigend und fahrlässig.

Ob Freunde, Grosseltern, Verwandte oder Geschwister, es gab immer mehrere Personen, die auf die Erziehung eines Kindes Einfluss nahmen. Was sich geändert hat, ist nicht die Fremdbetreuung an sich, sondern dass die Kinder in eine Institution gegeben werden, in der Fachkräfte für die Betreuung ihrer Kinder bezahlt werden. Beim Aufkommen der Kinderkrippen oder Kitas wurden unbestritten auch Fehler gemacht: Nebst der teilweise unprofessionellen Betreuung wurden auch falsche Erwartungen geschürt: Eilfertige Pädagogen schwärmten von grösserer sozialer und sprachlicher Kompetenz, kurz, von besseren Menschen, die da heranwuchsen. Inzwischen ist die Anfangseuphorie verschwunden, die Kindertagesstätten werden besser kontrolliert. Seit fünf Jahren können sie sich sogar durch die Organisation QualiKita zertifizieren lassen.

Doch jetzt scheint das Pendel wieder zurückzuschwingen. Zumindest wenn man den Ausführungen des neusten Infoblättchens des Vereins Schutzinitiative glaubt. Dort sind die Leute organisiert, die 2015 ihre Volksinitiative Schutz vor Sexualisierung in Kindergarten und Primarschule zurückzogen. Den Verein präsidiert Toni Bortoluzzi, im Vorstand sitzen unter anderen die Nationalrätinnen Roberta Pantani (Lega/TI) und Verena Herzog (SVP/TG) sowie Nationalrat Sebastian Frehner (SVP/BS).

Unter dem Titel «Glückliche Kinder werden zu Hause erzogen, nicht in der Kita» lassen sie Christian Spaemann, Facharzt für Psychiatrie, über die verhassten Betreuungsangebote vom Leder ziehen. Der Doktor ist übrigens auch überzeugt, dass man Schwule «heilen» kann. Und Spaemann rührt mit der grossen Kelle an: Mit jedem zusätzlichen Monat, den Kinder in der Kita verbrachten, reduziere sich der bei ihnen später gemessene IQ um durchschnittlich 0,5 Prozent. Damit nicht genug: «Die Resilienzforschung hat erwiesen, dass lediglich 45 Prozent der ehemaligen Krippenkinder einen gesunden Status erreichen, der es ermöglicht, ein seelisch nicht gemindertes Leben zu führen.» Mit anderen Worten: Fast die Hälfte der Krippenkinder muss damit leben, als Erwachsene nicht glücklich zu werden. In der Schweiz laufen demnach ziemlich viele seelisch Angeknackste herum.

Also, liebe Mütter und Väter: Sperrt eure Kinder am besten so lange zu Hause ein, bis sie in Institutionen wie Kindergarten oder Schule gehen müssen. Überhäuft sie mit Liebe und Zuneigung, sodass sie für den Schulalltag gewappnet sind: zwar ein wenig verhätschelt, dafür aber mit prächtiger Intelligenz ausgestattet.

Erstellt: 12.12.2018, 19:56 Uhr

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