Welche Hobbys für Kinder wichtiger sind als das Smartphone

Eine neue Studie überrascht: Das Handy kommt bei Primarschülern erst an dreizehnter Stelle.

Primarschulkinder schauen eher fern, als dass sie das Handy nutzen. Noch lieber spielen sie aber draussen. (Video: Tamedia/SDA)

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Ein sechsjähriges Kind, das auf dem eigenen Smartphone surft und online nach Informationen sucht? Das konnte man sich vor ein paar Jahren noch schwer vorstellen. Heute ist das überhaupt nichts aussergewöhnliches mehr: Ein Viertel der Kinder besitzt schon in diesem Alter ein Tablet oder ein Handy. Bei Einzelkindern und solchen mit Migrationshintergrund ist der Anteil sogar noch deutlich höher. Und mit steigendem Alter nimmt er markant zu.

Digitale Medien werden immer häufiger genutzt – und die Nutzer werden immer jünger. Umso überraschender ist die Haupterkenntnis einer neuen Untersuchung der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW): Kinder verwenden Smartphones und Tablets zwar rege, aber viel lieber spielen sie draussen, machen Sport oder treffen sich ausserhalb der digitalen Welt mit Freunden.

Für die vom Bundesamt für Sozialversicherungen mitfinanzierte «MIKE-Studie 2017» wurden schweizweit Kinder zwischen 6 und 13 zu ihrer Mediennutzung befragt. Das Resultat: Abgesehen von Hausaufgaben, welche die Primarschüler gezwungenermassen erledigen müssen, ist das Spielen draussen und drinnen die am liebsten ausgeübte Freizeitaktivität. 94 beziehungsweise 86 Prozent machen es mindestens einmal pro Woche. Sport treiben ebenfalls vier von fünf Kindern regelmässig. Erst dann folgt mit Fernsehen die erste Aktivität, die mit Medien zu tun hat.

Die Nutzung des Handys folgt erst an dreizehnter Stelle, hinter Hobbys wie Freunde treffen und Malen, Zeichnen oder Basteln. Zudem ist auffällig, dass Primarschüler regelmässiger Fernsehen, Musik hören oder Bücher lesen, als dass sie sich mit ihrem Smartphone beschäftigen. «Klassische Medien werden trotz Digitalisierung weiterhin am häufigsten genutzt: Mehr als drei Viertel der Kinder sehen mindestens einmal pro Woche fern, hören Musik oder lesen Bücher», sagt Gregor Waller, Mitautor der Studie.

Mit zunehmendem Alter geht der Trend aber in eine andere Richtung: Der TV läuft immer weniger, Lesen und Hörspiele sind nicht mehr so cool. Dafür nimmt insbesondere die Internet- und Handynutzung stark zu.

Am liebsten spielen Primarschüler mit ihrem Smartphone Games, schauen Online-Videos, hören Musik und tauschen Nachrichten aus. Telefonieren, die klassische Funktion eines Handys, ist hingegen weniger wichtig. Dies hat wohl auch mit den Online-Plattformen zu tun, über welche die Kinder heute immer öfter kommunizieren.

YouTube ist die Lieblingsapp der Kinder. Aktuell nutzen 79 Prozent der von ihnen mindestens einmal pro Woche die Videoplattform. Dahinter folgen Whatsapp, Instagram und Snapchat. Grundsätzlich bevorzugen Mädchen eher Kommunikationsapps, Knaben eher Game-Apps. Zwei Drittel aller Kinder gamen mindestens einmal pro Woche und ihre liebsten Spiele sind Super Mario, Minecraft, Fifa und Clash 2/2 Royale. Obwohl das Mindestalter in der Schweiz gesetzlich nicht festgelegt ist, verlangen viele Apps die Einwilligung der Eltern.

Eltern wollen Ratschläge von der Schule

Denn der Faszination des Handys stehen bekanntlich auch Risiken gegenüber. Jedes zehnte Primarschulkind wurde laut der Studie schon mindestens einmal online belästigt. Eine weitere beunruhigende Feststellung ist, dass rund jedes dritte Kind mit eigenem Handy dieses mindestens einmal pro Woche dann nutzt, wenn es eigentlich schlafen sollte. Die Angst, etwas zu verpassen, ist gross. Ein wachsender Teil der Kinder fühle sich deshalb gestresst, warnte die Stiftung Pro Juventute unlängst.

Die Eltern, die ebenfalls befragt wurden, sind sich der Risiken bewusst, insbesondere in Bezug auf Games und soziale Netzwerke. Die meisten legen Regeln zur Nutzungsdauer fest. In erster Linie sehen die Eltern die digitalen Medien aber als grosse, vielfältige, einfach zugängliche und wichtige Informationsquelle, die die Bildung ihrer Kinder fördern kann. Nichtsdestotrotz möchte die Mehrheit der Eltern gerne Informationen oder Ratschläge von der Schule des Kindes darüber erhalten, wie sie ihr Kind bei der Internetnutzung sinvoll unterstützen oder schützen können. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2018, 15:06 Uhr

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