«Das ist ein tiefer Rückfall ins Mittelalter»
CVP-Chef Gerhard Pfister und Theologin Béatrice Acklin kritisieren die Kirchen für ihre Einmischung in die Politik.

Irritationen gaben den Anlass, dass die Theologin Béatrice Acklin Zimmermann und CVP-Präsident Gerhard Pfister kürzlich mit Gleichgesinnten den Thinktank «Kirche/Politik» gegründet haben. Sie stossen sich an Stellungnahmen und Abstimmungsparolen von Kirchenleuten. Bischof Felix Gmür etwa warb mit theologischen Gründen für die Energiestrategie. Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist verteilte mit anderen Pfarrern, teils im Talar, am Zürcher Hauptbahnhof Flyer gegen die Durchsetzungsinitiative. Der Zürcher Generalvikar Josef Annen sah in den Sozialdetektiven «eine Belastung für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft». Und die Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen warnte, die SVP sei für Christen unwählbar.
Dass ein Kirchenvertreter SVP-Nationalrätin Natalie Rickli wegen ihres Ja zu No Billag gar das Katholischsein absprach, ist für Pfister «ein tiefer Rückfall ins Mittelalter» und für Acklin «politreligiöser Populismus». Dabei befremdet die Theologin, die für die FDP im Freiburger Stadtparlament sitzt, dass Kirchenleute ihre Autorität in Politikfragen von einer höheren Macht ableiteten. Es sei selbstgerecht, vom moralischen Hochsitz herab zu insinuieren, man wisse, was richtig sei und was falsch. «Sind diejenigen», fragt Acklin, «die sich politisch anders positionieren als ihre geistlichen Obrigkeiten, schlechtere Christen?» Ausserdem kennten Kirchenleute die Dossiers schlecht und übersähen, dass es im politischen Tagesgeschäft um Kompromisse gehe.

