Klimaschutz: Nicht mal Greenpeace gibt Mitarbeitern frei

Die Umweltbewegung fordert Firmen auf, Mitarbeitern für eine Demonstration im März freizugeben. Doch die Firmen sträuben sich.

Demonstrationen für den Klimaschutz: Es empfiehlt sich, die Abwesenheit an der Arbeit oder in der Schule strategisch zu planen. (21. Dezember 2018)

Demonstrationen für den Klimaschutz: Es empfiehlt sich, die Abwesenheit an der Arbeit oder in der Schule strategisch zu planen. (21. Dezember 2018) Bild: Walter Bieri/Keystone

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Der internationale Klimastreiktag am 15. März soll bisherige Rekorde brechen: Hierzulande peilt die Klima-Jugendbewegung eine grosse Demonstration mit 100'000 Menschen an – so viel wie kaum zuvor in der Schweiz. Seit Dezember gehen Tausende Schüler und Studenten immer wieder für mehr Klimaschutz auf die Strassen. Die Bewegung ist weltweit aktiv.

Um für die Kundgebung Mitte März noch eins draufsetzen zu können, wollen die Organisatoren zusätzlich Mitarbeiter von Unternehmen mobilisieren. Jedoch findet die Demonstration an einem Freitag statt. Die Klimabewegung Zürich fordert die Firmen auf, ihren Angestellten an diesem Tag freizugeben. Doch wie gehen diese mit dieser Forderung um?

Demonstrieren nur in der Freizeit

Die Swisscom teilt etwa mit, dass man sich am Streiktag nicht beteilige. Man setze auf die Selbstverantwortung der Mitarbeitenden. «Wir bieten unseren Mitarbeitenden flexible Arbeitsmöglichkeiten, und in Absprache mit ihrem Team sowie dem Vorgesetzten können Abwesenheiten festgelegt werden», erklärte eine Sprecherin.

Bilder: Tausende demonstrieren für den Klimaschutz

Ähnlich klingt es bei Nestlé, Roche, der Zurich-Versicherung und der SBB. Sie alle geben ihren Angestellten nicht extra für die Demonstration am 15. März frei. Auf Anfrage verweisen sie aber einstimmig auf die Möglichkeit von flexiblen Arbeitszeiten oder den Gebrauch von Ferientagen. Das sagt auch der Bund: «Die Abwesenheit geht zulasten der Freizeit der Mitarbeitenden», sagt ein Sprecher des Eidgenössischen Personalamts. Alle Unternehmen betonen aber, dass sie sich für den Klimaschutz einsetzen.

Keine rechtliche Grundlage

Auch Greenpeace gibt ihren rund 80 Schweizer Angestellten Mitte März nicht frei. Die Umweltorganisation sagt zwar, dass man die Proteste unterstütze und diese sehr wichtig für die Klimawende seien. «Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter kann gern an der Demonstration teilnehmen, es ist jedoch keine Arbeitszeit», sagt eine Sprecherin.

Video: Tausende demonstrieren schweizweit für den Klimaschutz

Klimastreik: Grosse Kundgebungen im ganzen Land. (Video: Tamedia)

Doch was passiert, wenn man keine flexiblen Arbeitszeiten hat und einfach der Arbeit fernbleibt, um demonstrieren zu können? Laut Roger Rudolph, Rechtsanwalt und Professor für Arbeitsrecht an der Uni Zürich, gibt es für das Fernbleiben von der Arbeit wegen politischer Interessen keine gesetzliche Grundlage. Wer aufgrund einer Demonstration nicht am Arbeitsplatz erscheine, verletze die Arbeitspflicht. «Rein rechtlich droht dem Mitarbeiter das Gleiche, wie wenn er blaumacht», erklärt Rudolph. Dann könne es mindestens eine Verwarnung geben. Allenfalls drohe sogar eine Kündigung.

Die Warnung des obersten Schweizer Lehrers

Und wie sieht es für die Schülerinnen und Schüler aus, die ja die Klimastreiks in den letzten Wochen ins Rollen gebracht haben? Beat Zemp, Zentralpräsident des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, meint: «Ich habe grosses Verständnis, dass Schüler auf die Strasse gehen. Für etwas Wichtiges, nämlich den Schutz des Klimas», erklärt er gegenüber www.nau.ch. Doch der oberste Lehrer der Schweiz weist darauf hin, dass die Schulen ein Absenzwesen haben. «Wenn man unentschuldigt fehlt, bekommt man eine unentschuldigte Absenz.»

Zemp erinnert daran, dass bei einer Überschreitung des Absenzenkontigents Konsequenzen drohen. Diese können in Form von Verwarnungen, Verweisungen bis hin zum Schulausschluss auftreten: «Dann wird es wirklich dramatisch.» Und das wolle ja keiner. Zemps Schlussfolgerungen: Schüler und Schülerinnen sollen nicht ihrer eigenen Karriere schaden. Das sei keine gute Lösung und helfe auch dem Klima überhaupt nicht.

(Übernommen von 20 Minuten, bearbeitet von Tagesanzeiger.ch/Newsnet.)

(fal)

Erstellt: 08.02.2019, 09:42 Uhr

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