König der Landzeitungen

Pascal Hollenstein ist Herr über 15 Zeitungen in 8 Kantonen. Bald verdoppelt sich sein Einzugsgebiet.

Im zarten Primarschulalter für den Journalismus Feuer gefangen: Pascal Hollenstein (46).

Im zarten Primarschulalter für den Journalismus Feuer gefangen: Pascal Hollenstein (46). Bild: Keystone

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Als publizistischer Leiter der NZZ-Regionalmedien verantwortet Pascal Hollenstein heute schon ein gutes Dutzend Blätter. Künftig wird sein Reich noch grösser: Im neuen Unternehmen, in dem NZZ und AZ ihre Regionalmedien zusammenlegen wollen, wird Hollenstein Chef über zwei Dutzend Zeitungen, sein Einzugsgebiet dehnt sich bis ins westliche Mittelland aus, bis Solothurn und Basel.

Man kann den 46-Jährigen zu den bekanntesten Thurgauern zählen, neben Mona Vetsch und Hausi Leutenegger. Wie Leutenegger stammt auch Hollenstein aus Bichelsee-Balterswil. Im zarten Primarschulalter schrieb er dort seinen ersten Zeitungsartikel: Der im katholischen Milieu aufgewachsene Oberministrant berichtete in der «Regionalzeitung Hinterthurgau-Wil» über die Ministrantenreise.

Scherereien mit dem Chefredaktor

Das sei der Moment gewesen, in dem er sich für den Beruf des Journalisten begeistert habe, erzählt sein früherer Weggefährte Armin Menzi. Erste Einsätze in einer Redaktion hatte Hollenstein mit 16 bei der «Thurgauer Volkszeitung», da wohnte die Familie in Frauenfeld. Später arbeitete er bei der «Thurgauer Zeitung». Dort hatte er Scherereien mit dem Chefredaktor Peter Forster. Forster galt als SVP-nah, Hollenstein trat hingegen dem Landesring der Unabhängigen bei. Er verliess die «Thurgauer Zeitung», machte sein Geschichtsstudium in Zürich und schrieb daneben für die Kundenzeitschrift einer Elektrizitätswerk-Genossenschaft. Dort habe er einen tollen Job gemacht, erzählt sein damaliger Vorgesetzter Menzi.

Hollenstein unterscheidet sich von anderen Journalisten darin, dass er zwischen Journalismus und Kommunikation hin- und herwechseln und beides mit voller Überzeugung betreiben kann. Die EW-Kundenzeitschrift blieb nicht sein einziger Ausflug in die Welt der Vermarktung. Nach Jahren im Journalismus wechselte er zur Axa-Winterthur, dann wurde er Sprecher von Viktor Vekselberg. Bei der «Winterthur» hatte er früher schon einmal gearbeitet – als Historiker hat er die Unterlagen zu den nachrichtenlosen Vermögen mitaufbereitet und während der Recherchen seine heutige Frau kennen gelernt.

Vekselberg-Engagement war eine «Jugendsünde»

Bei Viktor Vekselberg arbeitete Hollenstein nur acht Monate, bevor er als Inlandchef zur «NZZ am Sonntag» zurückkehrte. Das Vekselberg-Engagement bezeichnet er als «Jugendsünde». Er habe aber viel gelernt bei den Engagements. Auch, dass er etwas nicht vertreten könne, wenn er es nicht verstehe. Dass er nicht beliebig flexibel sei.

Leute, die mit Hollenstein gearbeitet haben, beschreiben ihn als schlau und schnell, aber auch leutselig und verspielt. Das mache ihn zugänglich. Diesen Sommer wäre er gern Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» geworden. Doch es klappte nicht. Das dürfte Hollenstein nur ein bisschen geschmerzt haben. Denn als Regionalzeitungs-König hätte er viel aufgegeben. Nun wird er bald nicht mehr nur zwischen St. Gallen, Zürich und Luzern pendeln, sondern auch noch in den Aargau. Seine drei Kinder, mit denen er und seine Frau in Zürich wohnen, wird er noch weniger sehen. In der neuen Firma wird er seine Erfahrungen beim Zusammenlegen, Vereinheitlichen und Neustrukturieren nutzen, die er in den letzten zwei Jahren auf der Achse St. Gallen–Luzern gesammelt hat. Die Augen werden auf ihn gerichtet sein. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.12.2017, 13:30 Uhr

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