Trump am WEF, der Anti-Davos-Mann kommt

Am World Economic Forum wird die internationale Zusammenarbeit beschworen. Der US-Präsident steht für das Gegenteil.

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Der bekannte Politologe Samuel Huntington hat für die Besucher des World Economic Forum (WEF) einst den Begriff «Davos Men» geprägt. Bis heute steht der Begriff für die Vertreter einer miteinander vernetzten internationalen Elite, die hoffen, im Schweizer Bergdorf die politischen und ökonomischen Angelegenheiten der Welt besser zu regeln. Das ist auch der Anspruch des WEF und seines Gründers Klaus Schwab.

Donald Trump passt nicht zu diesem Anspruch, er ist der Anti-Davos-Man. Die internationale Zusammenarbeit, die am WEF beschworen wird, interessiert ihn nicht. Er steht für das Gegenteil: für Abschottung, Protektionismus und nationalen Egoismus. Doch nun wird Donald Trump ebenfalls am WEF teilnehmen.

Keiner hat seit seiner Machtübernahme die Zersplitterung der Welt weiter gefördert als Donald Trump.

Tatsächlich war schon am WEF vor einem Jahr kein Mensch in Davos so präsent wie Donald Trump, obwohl damals physisch gar nicht anwesend. Der Schock darüber, dass er zur gleichen Zeit das Amt des US-Präsidenten übernahm, war in allen Debatten und Gesprächen spürbar – den offiziellen wie den inoffiziellen.

Wie anders die Welt mit dem Urnenentscheid der Amerikaner geworden war, zeigte sich allein am Umstand, dass es der chinesische Machthaber Xi Jinping war, der vor der versammelten Weltelite das Hohelied auf den Freihandel und die internationale Zusammenarbeit sang. Glaubwürdig war er damit nicht. Die versteckte Botschaft war, den anwesenden Eliten den Führungsanspruch Chinas in der Welt vorzuführen. Der Machthaber Chinas hat damit gezeigt, wohin das Vakuum führt, das ein Amerika hinterlässt, das sich aus der internationalen Verantwortung stiehlt.

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Für das WEF und seinen Gründer Klaus Schwab ist es ein grosser Erfolg, dass mit Donald Trump nach Bill Clinton im Jahr 2000 in Davos wieder ein US-Präsident anwesend sein wird. Anzunehmen, dass dadurch irgendein anstehendes Problem der Welt einer Lösung näher gebracht werden könnte, wäre nach allen Erfahrung mit Trump aber naiv. «Eine gemeinsame Zukunft in einer zersplitterten Welt schaffen», so lautet das Motto des diesjährigen WEF. Keiner hat seit seiner Machtübernahme diese Zersplitterung weiter gefördert als ebendieser Donald Trump.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2018, 22:23 Uhr

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