Kommentar: Schluss mit Olympia in der Schweiz

Früher Graubünden, jetzt das Wallis: Das Land will keinen Sport-Grossanlass. Wie ist das Nein zu interpretieren?

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Das Wallis spricht sich mit rund 54 Prozent bei einer hohen Stimmbeteiligung gegen den Kredit von 100 Millionen Franken für «Sion 2026» aus. Damit haben die Walliserinnen und Walliser olympischen Winterspielen in der Schweiz das letzte Geleit gegeben. Wenn die zwei bedeutensten hiesigen Winterdestinationen Graubünden (zweimal in jüngster Zeit) und nun das Wallis solchen Träumen eine Abfuhr erteilen, ist das Zeichen unmissverständlich. Die Alpenrepublik will keinen solchen Grossanlass, zu gross sind die Unwägbarkeiten.

Wie ist das Nein des Wallis zu interpretieren? Dazu beigetragen hat wohl der verletzte Stolz, das Misstrauen ins IOK und die fehlende Lust auf Experimente. Verletzt sind die Walliserinnen und Walliser noch immer, weil ihnen trotz hervorragender Kampagne die Olympischen Winterspiele 2006 nicht zugesprochen wurden. Das so motivierte Nein mag bünzlig erscheinen und nicht für alle Üsserschwiizer nachvollziehbar sein.

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Die beiden anderen Gründe sind aber umso einleuchtender. Und berechtigt. Um die Glaubwürdigkeit des IOK steht es in der Tat nicht zum Besten: Korruptionsskandale, undurchsichtige Vergaben von Spielen, der Hang zum Gigantismus legen davon Zeugnis ab. Zwar hat das IOK Besserung gelobt und seine vollmundig angekündigte Agenda 2020 mit ein bisschen Nachhaltigkeit mariniert. Aber das reicht nicht. Gefragt wären konkrete Zusagen, auch finanzieller Natur. Nur so hätten Länder mit dezentralen und nachhaltigen Konzepten auch wirklich einen Anreiz, sich für eine Kampagne zu entscheiden. So bleiben es Lippenbekenntnisse.

Solange das IOK nicht den Tatbeweis angetreten hat, auch wirklich nachhaltige olympische Winterspiele zu präferieren, bleibt die Schweiz besser aussen vor. Kommt hinzu, dass solche Sportveranstaltungen nur dann etwas langfristig abwerfen, wenn eine Nation mit Begeisterung dahintersteht. Das kann man zwar nicht verordnen. Aber mit einer eidgenössischen Volksabstimmung und einem allfälligen Bekenntnis zur Durchführung eines solchen Grossanlasses würde man zumindest den Teppich dafür auslegen.

Sonst bleibt es ein Unterfangen mit geringem Nutzen und einem hohen finanziellen Risiko. Jeder einigermassen vernünftige Unternehmer würde sich hüten, einen Anlass mit solchen Prämissen zu unterstützen oder gar durchzuführen. Denn das könnte ihm den Kopf kosten. Das müssen die Promotoren von Sion 2026 nicht fürchten und konnten deshalb auch so vollmundig das Blaue vom Himmel herab versprechen. Besser sie haben jetzt einen zünftigen Kater als die ganze Schweiz in ein paar Jahren.

Erstellt: 10.06.2018, 14:04 Uhr

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