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Kompromisse statt SRG-Bashing

Die SRG soll nicht Werbemarktpionierin sein. Ein kluger Entscheid.

MeinungClaudia Blumer

Noch im Dezember 2017 titelte diese Zeitung: «Doris Leuthards Weihnachtsgeschenk an die SRG». Der Bundesrat hatte im Konzessionsentwurf geplant, der SRG das Nutzen der Zuschauerdaten für massgeschneiderte Werbeblöcke zu erlauben. Ein Bärendienst an die SRG im No-Billag-Abstimmungskampf, hiess es. Heute ist die Situation entspannter. Das Volk sagte Nein zur Initiative; die SRG sagte Ja zu mehr Rücksichtnahme auf die Privaten. Und nun ist auch noch der Bundesrat von seinem Plan abgerückt. Die SRG soll nicht Werbemarktpionierin sein. Zielgruppenwerbung bleibt für sie verboten.

Ein kluger Entscheid. Der Bundesrat signalisiert: So weit soll es nicht mehr kommen, dass die Existenz der SRG derart infrage gestellt wird. Die SRG soll nicht mehr als mächtige, rücksichtslose Monopolistin gelten. Die SRG selber trägt zur Entspannung bei, da sie ihren Kritikern teilweise freiwillig entgegengekommen ist.

Private haben bei Jungen höheren Marktanteil

Doch dem Bundesrat fehlt ein medienpolitisches Konzept. Er verordnet der SRG einerseits bessere Unterscheidbarkeit von den privaten Anbietern. Anderseits soll die SRG vermehrt Junge ansprechen. Das beisst sich gegenseitig. Beim jungen Publikum haben private Sender einen wesentlich höheren Marktanteil. Macht die SRG mehr Jugendformate, unterscheidet sie sich somit weniger von den Privaten.

Auch soll die SRG digitaler werden. Das wäre in Ordnung – doch die Unterscheidbarkeit muss auch im Internet gewahrt werden. Die SRG soll ihr grosses und gutes Radio- und TV-Angebot digital verfügbar machen; so, dass es auch Junge erreicht. Weitere Internet-spezifische Angebote soll sie hingegen privaten Akteuren überlassen. Da die neue Konzession darauf abzielt, diesen Bereich auszubauen, wird Selbstbeschränkung bei der SRG noch wichtiger. Sie kann darauf vertrauen, dass jede Alterskohorte irgendwann in die Phase kommt, in der sie gehaltvolle Politsendungen, gute Dokumentationen und Spiel­filme schätzt. Hier muss die SRG stark bleiben.

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