Für Krippen, die Kindern nützen

Kindertagesstätten sollen entlastet werden – aber nicht auf Kosten einer guten Betreuung. Die Politik muss differenzieren.

Bislang ist geregelt wie viele Kinder maximal einer Betreuungsperson zugeteilt sein dürfen: Krippen-Gruppe unterwegs in Zürich. Foto: Reto Oeschger

Bislang ist geregelt wie viele Kinder maximal einer Betreuungsperson zugeteilt sein dürfen: Krippen-Gruppe unterwegs in Zürich. Foto: Reto Oeschger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Manche Vorschriften nützen den Kindern wenig. Abstand zwischen Toilette und Küche, Anzahl Spül­becken, Quadratmeteraufteilung zwischen den beiden vorgeschrie­benen Räumen. Das ist Unsinn. Doch es gibt auch Krippenstandards, die wichtig sind für eine gute Betreuung. So ist etwa geregelt, welche persönlichen und fachlichen Voraussetzungen eine ausgebildete Betreuungsperson mitbringen muss. Und wie viele Kinder sie maximal betreuen darf.

Diese Regeln pauschal reduzieren oder abschaffen zu wollen, ohne zu differenzieren, ist falsch. Der Zürcher Kantonsrat hat dies diese Woche aber gemacht, indem er ein Postulat von SVP, FDP und CVP überwiesen hat, das dies fordert. Raumgrösse, Gruppengrösse, Qualifikationen – weg damit. Alles in einen Topf.

Über Sein oder Nichtsein entscheidet oft eine Distanz von wenigen Metern.

Auch die Verbände, die nun dagegen protestieren, räumen Verbesserungspotenzial ein. Gewisse Regeln seien unnötig, sagen sie. Es handelt sich vor allem um bauliche Vorschriften. Das ist richtig: Ziel muss es sein, das Krippenwesen so zu verschlanken, dass die Qualität der Kinderbetreuung nicht leidet, sondern eher steigt. Bei administrativer Entlastung.

Sensibilisiert werden müssen die Gemeindebehörden, welche die Be­willigung für eine Krippe erteilen. Vom Gemeindevertreter hängt ab, ob jemand eine Krippe betreiben darf, der die mathematischen Voraussetzungen nicht ganz erfüllt, aber ein überzeugendes Qualitätskonzept vorlegen kann. Politische Haltung und gesunder Menschenverstand des Behördenvertreters entscheiden über Sein oder Nichtsein und oft eine Distanz von wenigen Metern. In der Nachbar­gemeinde sieht es wieder anders aus.

Das Thema der familienergänzenden frühkindlichen Betreuung muss in der Politik vorrangig werden.Heute fristet es ein Stiefkind-Dasein. Das Kleinkind gehöre zu den Eltern, das ist eine verbreitete Ansicht. Wenn die Eltern aber auf Unterstützung einer Krippe angewiesen sind, dann soll diese gut sein. Die Betreuung soll Bildung beinhalten und Entwicklung ermöglichen. Sie soll mehr sein als blosse Unfallverhütung.

Erstellt: 18.09.2019, 21:56 Uhr

Artikel zum Thema

Die Krippen-Normen kippen

Wenn die Bürgerlichen das Thema Kindertagesstätten anfassen, reagiert die Linke äusserst gereizt. Ein Lehrstück aus dem Kantonsparlament. Mehr...

Sind Krippen gut oder schlecht für Kinder?

Erstmals haben Schweizer Forscher untersucht, wie sich Kleinkinder in der Krippe und zu Hause entwickeln. Das sind die Resultate. Mehr...

100 Millionen sind für Krippen bereit – und fast niemand holt sie ab

Das Geld wäre eigentlich dazu bestimmt, Eltern zu entlasten. Doch es harzt. Was beim Krippengeld falsch läuft. Mehr...

Das Ressort Zürich auf Twitter

Das Zürich-Team der Redaktion versorgt Sie hier mit Nachrichten aus Stadt und Kanton.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...