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Künftiger EDK-Präsident hält nichts vom Zürcher Tagesschulversuch

Christoph Eymann, der künftige Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz, ist von der obligatorischen Tagesschule nicht überzeugt. Er kritisiert die Integration verhaltensauffälliger Kinder.

Konzentriert bei der Arbeit: Schüler in Davos. (11. September 2008)
Konzentriert bei der Arbeit: Schüler in Davos. (11. September 2008)
Keystone

Der wahrscheinlich künftige Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), Christoph Eymann, hält nichts von der Idee des Zürcher Schulvorstehers Gerold Lauber, einen Versuch mit obligatorischen Tagesschulen durchzuführen. «Wir haben den Schulen in den letzten Jahren so viele Reformen zugemutet, dass ich ihnen jetzt nicht schon wieder Neues aufbürden will», sagt der Basler Erziehungsdirektor in der «NZZ am Sonntag» (print, online nicht verfügbar).

Vielmehr soll die ausserschulische Betreuung freiwillig bleiben: «Familien, die ihre Kinder einmal oder mehrmals in der Woche zu Hause haben wollen über Mittag, sollen das machen können.» Die Wahlfreiheit müsse zwingend bestehen bleiben.

Eine Verkürzung der Mittagspause auf 45 Minuten, wie sie in Zürich zur Diskussion steht, lehnt der künftige höchste Erziehungsdirektor ebenfalls ab: «Eine solche Pause ist zu kurz für Kinder im Kindergarten und in der Primarschule. 90 Minuten sind das Minimum. In Basel müssen Kinder dieser Schulstufen so lange Mittagspause haben, damit sie genug Zeit für den Zmittag zu Hause haben.»

Mehr schwierige Schüler ausschliessen

Christoph Eymann kritisiert zudem die Integration verhaltensauffälliger Kinder in normale Schulklassen. Diese Praxis habe sich nicht bewährt. Lehrer müssten deshalb die Möglichkeit haben, einen Schüler zumindest vorübergehend wieder aus der Klasse zu entfernen.

«Es darf nicht sein, dass sich ein Lehrer bis zur emotionalen Erschöpfung verausgabt wegen eines Kindes in der Klasse, das nicht integrierbar ist», sagte Eymann im Interview mit der «NZZ am Sonntag».

Der liberale Basler Erziehungsdirektor fasst damit ein heisses Eisen an. Im Zuge der Reformen im Bildungswesen haben in den vergangenen Jahren immer mehr Kantone und Gemeinden die integrative Schulungsform eingeführt: Statt in einer Sonderklasse werden Schülerinnen und Schüler mit Lern-, Leistungs- oder Verhaltensschwierigkeiten in der Regelklasse unterrichtet.

«Unterricht kommt zum Erliegen»

Es gehe um jene Kinder, «die man früher als schwer erziehbar, später als verhaltensoriginell bezeichnete und heute als verhaltensauffällig», sagte Eymann im Interview. Einer oder zwei solcher Schüler reichten bereits, und der Unterricht komme zum Erliegen: «Die integrative Schule hat sich diesbezüglich nicht bewährt, das sagen viele Lehrpersonen.» Es brauche deshalb rasch Anpassungen, sonst würden immer mehr Klassen die Lernziele nicht erreichen.

Eymann schlägt zwei mögliche Wege vor: Entweder müsse die Betreuung der Schüler personell verstärkt werden - oder aber es müsse wieder vermehrt eine «selektive Aussonderung» erlaubt werden: «Der Lehrer muss die Möglichkeit haben, einen Schüler mindestens temporär aus der Klasse zu entfernen.» Dort, wo die Sonderschulen nicht ganz abgeschafft wurden, könnte man sie wieder aufstocken.

Christoph Eymann ist seit 2001 Regierungsrat im Kanton Basel-Stadt; er gehört der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) an. Eymann gilt als gesetzter Nachfolger von Isabelle Chassot als Präsident der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK). Die Freiburger Staatsrätin tritt im November ihr neues Amt als Chefin des Bundesamts für Kultur an.

(SDA)

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