#KeLoscht – Schweizer Schüler gehen auf die Strasse

Weil der Kanton Luzern bei der Bildung spart, protestieren heute Tausende Schüler in Basel, Zürich, Luzern, Aarau und Genf.

Viele Schulbänke werden heute Nachmittag leer bleiben. (Video: Tamedia)

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Seit der Kanton Luzern seine Unternehmensgewinnsteuern 2012 halbiert hat, jagt ein Sparpaket das andere. Insbesondere die Kürzungen bei der Bildung sorgen immer wieder für Schlagzeilen. Letzten Oktober wurden beispielsweise 20'000 Gymnasiasten, Mittel- und Berufsschüler sowie deren 1500 Lehrer für drei statt zwei Wochen in die Schulferien geschickt, damit der Kanton 4 Millionen Franken sparen konnte. Wegen der Sparmassnahmen im Bildungswesen gingen Luzerner Lehrer und Schüler immer wieder auf die Strasse.

Heute Nachmittag werden sich landesweit Schüler mit ihren Luzerner Kollegen solidarisieren und protestieren. Es könnte eine der grössten Schülerdemonstrationen der Schweiz werden. «Bald ist es so weit, und wir Schüler*innen gehen in fünf Schweizer Städten auf die Strasse, um ein Statement gegen die Sparpolitik zu setzen! Wir haben #KeLoscht auf Abbau bei der Bildung!», heisst es auf der Facebook-Seite des ZSO, des Dachverbands der Zürcher Schülerorganisationen. Proteste sind zeitgleich in Luzern, Aarau, Basel und Genf vorgesehen. In Bern ist eine kleinere Aktion auf dem Bundesplatz geplant. Erwartet werden je nach Standort mehrere Hundert oder gar mehrere Tausend Demonstranten.

Prominente Redner

In der Stadt Zürich findet die Demonstration beim Bürkliplatz statt. «Wir demonstrieren in erster Linie aus Solidarität mit Luzern und anderen Kantonen, die sparen müssen», sagt Timothy Oesch auf Anfrage. Der 17-Jährige besucht die Kantonsschule Zürich-Nord und ist Sprecher der ZSO. Der Verband hat eine Bewilligung für eine Kundgebung mit 700 Personen erhalten. Doch dem Vernehmen nach rechnet man mit viel mehr Schülern. «Wir haben die Demo ziemlich gehypt», sagt ein anderer Zürcher Kantischüler, der nicht namentlich erwähnt werden will. Allein von den beiden grössten Zürcher Kantonsschulen, Enge und Zürich-Nord, sollen insgesamt 1000 bis 1200 Schüler kommen.

Umfrage

Darf man bei der Bildung sparen?

Ja, jeder Bereich muss etwas beitragen.

 
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Nein, damit gefährden wir die Zukunft der Schweiz.

 
83.0%

2148 Stimmen


Im Kanton Luzern ging der Demons­trationsaufruf an alle Gymnasiasten der acht Kantonsschulen. An der Kundgebung in der Stadt Luzern werden prominente Rednerinnen und Redner auftreten: Zu den Schülern sprechen unter anderen Juso-Chefin Tamara Funiciello, der Luzerner BDP-Präsident Denis Kläfiger sowie Andreas Hofer, Kantonsratspräsident Luzern (Grüne). Organisiert worden sind die Proteste jedoch ausschliesslich von den Schülerorganisationen. «Die Parteien haben sich auch nicht finanziell daran beteiligt, ausserdem sind Parteifahnen verboten», betont Samuel Zbinden, Mitorganisator und Schüler an der Kantonsschule Sursee.

Die Idee für den landesweiten Protest ging von Luzern aus. «Als wir vor zwei Monaten beschlossen, zu demonstrieren, überlegten wir uns, auch andere Kantone ins Boot zu holen», so Zbinden. Denn gespart werde bei der Bildung praktisch überall.

Die Luzerner Schüler nahmen Kontakt auf mit anderen kantonalen Schülerverbänden, stellten aber bald fest, dass aus logistischen Gründen nicht alle nach Luzern kommen konnten. So entstand die Idee für einen landesweiten Schülerstreik. Die Luzerner kreierten den Slogan «Mer hend alli #keLoscht auf Abbau bei der Bildung!, und bald verbreitete sich der Hashtag #keLoscht landesweit in den sozialen Medien.

Kein Streikrecht

Da Schüler offiziell kein Streikrecht haben, verhandelten die Verbände mit den Rektoraten. An der Kantonsschule Alpenquai Luzern, mit 1800 Schülern eine der grössten gymnasialen Einrichtungen der Schweiz, zeigte man Verständnis für die Anliegen der Schüler. «Es wird sicherlich niemand von der Schule gewiesen, die unentschuldigten Absenzen sollen wir bilateral mit den Lehrern regeln», sagt Zbinden. Ob es der grösste Schülerstreik des Landes wird, wagt Zbinden nicht zu sagen. «Es ist aber sicherlich der erste nationale, durch Schüler organisierte Schülerprotest der Schweiz.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.04.2017, 07:01 Uhr

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