Langzeit-Präsident Levrat landet auf Rang 3

Kaum einer war länger an der Spitze einer Bundesratspartei: Nur zwei landen in der Tabelle vor dem SP-Chef. Der grosse Amtszeiten-Vergleich.

Levrat zieht Bilanz: Der SP-Chef ist vor allem stolz an seiner Beteiligung an der Wahl von Eveline Widmer-Schlumpf. Video: SDA

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Nun also doch: SP-Chef Christian Levrat hat seinen Rücktritt als Parteipräsident im kommenden Frühling angekündigt (zum Bericht). In den letzten Tagen war über diesen Schritt spekuliert worden, doch sicher war nichts, denn der Freiburger war abgetaucht und äusserte sich nicht zu den Gerüchten.

Immer offensiver hatten prominente SPler seinen Rückzug gefordert: «Wir brauchen einen Wechsel an der Spitze», schrieb die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr. «Jede Organisation braucht nach einer gewissen Zeit frische Kräfte.»

Zwölf Jahre hat Levrat die SP geführt – und ist damit der amtsälteste Parteichef der jüngeren Schweizer Politgeschichte. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren nur zwei Politiker länger an der Spitze ihrer Partei: Genosse Helmut Hubacher (1975–1990) und der heutige SVP-Bundesrat Ueli Maurer (1996–2008).

Levrat hat die Parteileitung im März 2008 vom Schaffhauser Hans-Jürg Fehr übernommen. Seither hatten die anderen Bundesratsparteien SVP und CVP zwei Chefs, die FDP sogar drei. Im Schnitt waren Präsidentinnen und Präsidenten der FDP und CVP in der Nachkriegszeit 4,6 Jahre an der Macht. In der SVP (vormals BGB) beträgt der Durchschnitt 7,1 Jahre, in der SP sogar 7,4 Jahre – was aber immer noch deutlich unter Levrats Amtszeit liegt.

Der Druck auf den Freiburger stieg aber nicht nur wegen seiner langen Zeit an der Spitze, sondern auch wegen schlechter Resultate, welche die SP in den letzten Jahren eingefahren hat. Seit 2003 ist ihr nationaler Wähleranteil fast kontinuierlich geschmolzen. Bei den letzten Nationalratswahlen am 20. Oktober erzielte die Partei unerwartet das schlechteste ­Ergebnis aller Zeiten: 16,8 Prozent Wähler­anteil (minus zwei Prozentpunkte).

Die SP bleibt damit zweitstärkste Kraft im Parlament, doch die Wahlen waren ein Desaster für die Partei. Levrat sagt, sein angekündigter Rücktritt habe nichts mit dem Resultat zu tun, er habe seinen Abgang schon lange beschlossen.

Der 49-Jährige hat die SP geprägt wie wohl niemand sonst im 21. Jahrhundert. Viele Genossen fordern nach der Wahlniederlage aber eine Kurskorrektur. Es brauche an der Parteispitze neue Köpfe mit besseren Lösungen und Ideen, sagte Nationalrätin Min Li Marti. Für die Nachfolge Levrats sind verschiedene Frauen in der Poleposition, vor allem solche, welche die jüngere Generation vertreten (lesen Sie hier, welche Namen im Rennen um den SP-Chefposten schon genannt werden).

Erstellt: 12.11.2019, 11:53 Uhr

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