Legales Gras wird für die Polizei zum Problem

Cannabis mit geringem THC-Gehalt ist erlaubt – und es verkauft sich immer besser. Polizeibeamte fordern nun Schnelltests, um illegales Gras rasch zu erkennen.

Cannabisknospen in einem Einmachglas im Cannabisshop «im 4 i» an der Langstrasse im Zürcher Kreis 4. Der Cannabisladen führt verschiedene legale Cannabisprodukte unter dem THC-Wert von 1 Prozent. Bild: Keystone/Gaetan Bally

Cannabisknospen in einem Einmachglas im Cannabisshop «im 4 i» an der Langstrasse im Zürcher Kreis 4. Der Cannabisladen führt verschiedene legale Cannabisprodukte unter dem THC-Wert von 1 Prozent. Bild: Keystone/Gaetan Bally

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Früher war der Umgang mit Cannabis einfach: In einem Joint war Gras, und Gras war illegal. Wer sich damit erwischen liess, hatte eine Anzeige am Hals. Heute ist die Situation komplizierter. Hanfprodukte, die zu einem Prozent oder mehr aus dem berauschenden Wirkstoff THC bestehen, sind nach wie vor verboten.

Seit letztem Jahr wird in der Schweiz jedoch vermehrt CBD-Cannabis verkauft. Es enthält viel von dem beruhigenden Wirkstoff Cannabidiol und nur wenig THC, weshalb Verkauf, Besitz und Konsum erlaubt sind. Als «Gras der Stunde» wird es angepriesen, in Form von Tropfen, Ölen und Salben konsumiert. Händler schätzen den schweizweiten Umsatz auf 100 Millionen Franken in diesem Jahr; beim Bund haben sich inzwischen 51 Produzenten mit 125 Produkten gemeldet.

Legales Gras ist von illegalem schwer zu unterscheiden; es sieht gleich aus und riecht gleich. Ein Problem für die Polizei, die nicht mehr sicher sein kann, ob eine Straftat vorliegt, wenn sie auf einen Joint oder ein Säcklein Gras stösst. «Für die Polizisten ist diese Situation sehr undankbar», sagt Max Hofmann. Im «St. Galler Tagblatt» vom Montag forderte der Geschäftsführer des Verbands der Schweizer Polizeibeamten deshalb die rasche Einführung eines Schnelltests. Mit diesem sollen die Polizisten vor Ort feststellen können, ob sie es mit legalem oder illegalem Cannabis zu tun haben.

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Weil bisher kein verlässlicher Schnelltest vorliegt, muss die Polizei Hanfprodukte ins Labor senden, um Gewissheit über ihren THC-Gehalt zu erhalten. Die Stadtpolizei Zürich hat sich letztes Jahr für eine restriktive Linie entschieden. Macht jemand geltend, legales Gras bei sich zu führen, verzeigt sie diesen trotzdem. Das Gras wird sichergestellt und vom Forensischen Institut Zürich untersucht. Erweist es sich tatsächlich als legal, wird das Verfahren eingestellt, und die Behörden haben die Kosten dafür zu tragen. Stellt die Polizei häufig CBD-Hanf sicher, könnte dies ins Geld gehen. Bei der Stadtpolizei Zürich heisst es hierzu zurzeit aber nur, dass im Kanton Zürich keine entsprechende Statistik geführt werde. Man mache keine Jagd auf Cannabiskonsumenten, sagt Sprecherin Judith Hödl. Wenn aber jemand bei einer Personenkontrolle mit Cannabis angetroffen werde, komme die erwähnte Praxis zur Anwendung. «Handelt es sich um erlaubtes CBD-Hanf, erhält der Betroffene dieses zurück und muss keine Kosten tragen.» Die Einführung eines Schnelltests würde die Stadtpolizei laut Hödl begrüssen.

Kaufquittung mitnehmen

Die Hanfhändler versuchen derweil, Vertrauen zu schaffen. Bei der Eröffnung neuer Standorte seien der Polizei jeweils die Räumlichkeiten und die Produkte gezeigt worden, sagt Irene Franco, Sprecherin der Swiss Cannabis SA, die ihre Produkte über 20 Läden in Schweizer Städten vertreibt. Den Kunden wird in den Läden empfohlen, die versiegelten Hanfprodukte erst zu Hause zu öffnen und die Kaufquittung mitzunehmen. Die Polizei wünsche dies mancherorts explizit so, sagt Franco.

Misstrauisch bleiben Teile der Politik. Der Baselbieter SVP-Nationalrat Thomas De Courten hat für seine Partei kürzlich eine Interpellation an den Bundesrat verfasst. Er vermutet, dass der Handel mit CBD-Cannabis als Deckmantel für den Handel mit illegalem Cannabis missbraucht werde. Es sei illusorisch, den Markt für CBD-Hanf auf Dauer wirkungsvoll zu kontrollieren, schreibt De Courten. Erste Kontrollen zeigen aber in eine andere Richtung. Im Kanton Basel-Stadt liess der Kantonschemiker alle sechs Verkaufsstellen von CBD-Hanf kontrollieren. Ergebnis: alles legal. Auch Kontrollen bei Hanfproduzenten und Händlern förderten bisher keine Produkte mit zu hohem THC-Gehalt zutage.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.07.2017, 23:14 Uhr

Deutscher Zoll besorgt

Der deutsche Zoll ist besorgt über die Verfügbarkeit von legalem Gras in der Schweiz. In einer Mitteilung vom Montag rät er dringend von der Einfuhr von Schweizer Hanfzigaretten nach Deutschland ab. Cannabis sei in Deutschland generell verboten, eine Ausnahmeregelung für solches mit geringem THC-Gehalt kenne Deutschland nicht. Das «Verbringen von Drogen» sei eine Straftat und könne mit Geld- oder Haftstrafen ge­ahndet werden. Die Warnung des deutschen Zolls ist eine Reaktion auf den Verkauf von Hanfzigaretten der Schweizer Firma Heimat durch den Detailhändler Coop. Auch andere Produkte aus CBD-Hanf sind vom deutschen Verbot aber erfasst. (mw)

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