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Lehrer: Pisa-Test widerlegt Klischee

Schweizer Jugendliche könnten heute nicht mehr rechnen und lesen, heisst es oft aus der Wirtschaft. Die Lehrer freuen sich umso mehr über die neuste Pisa-Studie – und sehen dennoch Handlungsbedarf.

ami
Jugendliche sind besser, als die Wirtschaft glaubt. Gerade Mädchen müssen aber in naturwissenschaftlichen Fächern noch Ängste abbauen: Mathe-Unterricht an der Winterthurer Kantonsschuole Rychenberg. (Archiv)
Jugendliche sind besser, als die Wirtschaft glaubt. Gerade Mädchen müssen aber in naturwissenschaftlichen Fächern noch Ängste abbauen: Mathe-Unterricht an der Winterthurer Kantonsschuole Rychenberg. (Archiv)
Keystone

Aus der Sicht des Dachverbandes Schweizer Lehrerinnen und Lehrer widerlegt das gute Abschneiden der Schweiz in der Pisa-Studie 2012 ein Klischee: Jenes von der Schuljugend, die nicht mehr rechnen und lesen könne. Der Präsident des Dachverbandes LCH, Beat Zemp, sagte während einer Medienkonferenz in Bern, er freue sich über die Gratulationen vonseiten der Politik. «Ich hätte nun gerne, dass auch die Wirtschaft unsere Leistung anerkennt.»

Denn von Wirtschaftsvertretern werde immer wieder der Vorwurf erhoben, die Schweizer Jugendlichen könnten nicht rechnen oder lesen, sagte Zemp. Das durchwegs positive Abschneiden der Schweizer Schülerinnen und Schüler beim fünften Pisa-Test widerlege nun diese Kritik. Das Resultat zeuge vom «hohen beruflichen Engagement und Können der Lehrpersonen», schrieben der Dachverband LCH sowie die Westschweizer Lehrergewerkschaft (SER) in einer gemeinsamen Mitteilung.

Herausforderungen bleiben

In den Augen der Lehrer bestehen aber auch in der Mathematik trotz des starken Ergebnisses nach wie vor Herausforderungen. Der Mathematikunterricht müsse für Mädchen attraktiver und angstfreier gestaltet werden. Aus der jüngsten Pisa-Studie geht hervor, dass Mädchen in der Schweiz mehr Angst vor Mathematik haben als die Knaben.

Beat Zemp sprach vor den Medien zudem das vergleichsweise schlechte Abschneiden der Schweizer Schüler im Mathematik-Bereich «Wahrscheinlichkeit und Statistik» an. Eine Verbesserung sei dort aber wohl nicht ohne Einbussen in einem anderen Mathematik-Bereich zu haben, sagte Zemp.

«Handlungsbedarf erkannt»

Bei den Naturwissenschaften müssen die angestossenen Förderprojekte aus der Sicht der Lehrer weitergeführt und ergänzt werden. Der Präsident der kantonalen Erziehungsdirektoren, Christoph Eymann, pflichtete dem bei: Die Naturwissenschaften hätten hierzulande tatsächlich einen vergleichsweise geringeren Stellenwert. «Der Handlungsbedarf ist erkannt», sagte Eymann.

Die Lehrer nutzten zudem die Gelegenheit, vor den «radikalen Sparmassnahmen im Bildungsbereich» zu warnen, wie sie in vielen Kantonen geplant seien. Diese gefährdeten den Erfolg des Schweizer Bildungswesens. «Wir sind auf die Unterstützung der Finanzpolitiker angewiesen», sagte Beat Zemp.

Gewerkschaftliche Fundamentalkritik

Fundamentalkritik übte die Gewerkschaft VPOD – und zwar an der Aussagekraft der Pisa-Studie. Diese vergleiche nur die messbaren Fähigkeiten, teilte die Gewerkschaft mit. Der Auftrag der Schule sei aber viel umfassender und schliesse unter anderem auch soziale Kompetenzen ein.

Es sei ausserdem bewiesen, dass vergleichende Tests mit Ranglisten dazu führten, dass sich die Konzentration von Lehrern und Schülern auf die Prüfungsinhalte richte, schrieb der VPOD weiter.

Von einem solchen «Teaching to the test» könne keine Rede sein, sagte hingegen EDK-Präsident Christoph Eymann. Ein solches Verhalten sei nur schon deshalb ausgeschlossen, weil eine gezielte Vorbereitung auf den Pisa-Test unmöglich sei.

(SDA)

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