Lieber Gaskraftwerke als Atommeiler

SP-Nationalrat Roger Nordmann fordert in seinem neuen Buch eine Solaroffensive in der Schweiz – doch die hat ihren Preis.

Labyrinth Stromnetz: Aus welcher Quelle soll künftig der Strom in der Schweiz stammen?

Labyrinth Stromnetz: Aus welcher Quelle soll künftig der Strom in der Schweiz stammen? Bild: Keystone

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Die Klimadebatte prägt den Wahlkampf, erschöpft sich aber oft in Schlagworten. Einen substanziellen Beitrag liefert nun Roger Nordmann. Der Fraktionschef der SP zeigt, wie er die Schweiz in eine klimaneutrale Zukunft führen will – mit einem massiven Ausbau der Fotovoltaik. Dieser Schritt, schreibt Nordmann in seinem neuen Buch «Sonne für den Klimaschutz», sei nichts als die logische Konsequenz aus der Zustimmung des Stimmvolks zur Energiestrategie 2050; diese verbietet neue Atommeiler und will erneuerbare Energien ausbauen.

Nordmann rechnet mit einem zusätzlichen Strombedarf von jährlich 40 bis 45 Terawattstunden, um die Dekarbonisierung der Schweiz entscheidend voranzutreiben. Ersetzt werden muss der Strom der Atomkraftwerke, zudem braucht es künftig mehr Strom, weil Haushalte und Verkehr von fossilen auf erneuerbare Energien umstellen sollen. Nordmann will dazu die Solarkapazität um den Faktor 25 erhöhen, von 2 auf 50 Gigawatt, in erster Linie auf bereits bestehenden Infrastrukturen.

Seit die Klimadebatte aufgeflammt ist, preisen die Atomfreunde die Atomkraft denn auch als Klimaretterin an. 

Es wäre ein Leichtes, Nordmanns Werk als Schrift eines Solarlobbyisten abzutun; der Waadtländer präsidiert den Branchenverband Swissolar. Doch die Reaktionen zeigen: Die Energiebranche nimmt Nordmanns Solarplan für die Schweiz ernst. Die BKW hat den SP-Politiker zu einer Präsentation eingeladen. In einem Blogbeitrag vom Montag resümiert der Stromkonzern, die Analysen des Nationalrats würden sich in weiten Teilen mit der BKW-Strategie decken – wenn auch Fragen offen blieben, etwa die finanziellen Folgen des Solarausbaus für die Stromnetze.

Axpo und Greta

Die BKW legt Mühleberg Ende Jahr still und investiert stark in erneuerbare Energien. Letzteres tut auch die Axpo. Im Unterschied zur BKW betreibt der Stromkonzern mit Beznau I und II aber zwei Atommeiler – und will dies noch auf Jahre hinaus tun. Er setzt also weiter auf eine Stromquelle, die über die ganze Produktionskette betrachtet wenig CO2 freisetzt, weniger auch als Fotovolatik. Seit die Klimadebatte aufgeflammt ist, preisen die Atomfreunde die Atomkraft denn auch als Klimaretterin an. Vor diesem Hintergrund ist der Tweet eines Axpo-Vertreters vom Montag zu lesen: Der Klimahype mit Greta sei schön gewesen. Aber jetzt würden bald wieder fossile Kraftwerke in der Schweiz gebaut – wegen Nordmann.

Fossile Kraftwerke? In der Tat sind sie Bestandteil von Nordmanns Plan. Der Solarausbau wird nicht ausreichen, um den Strombedarf im Winter zu decken, wie Nordmann schreibt. Damit keine Lücke entsteht, schlägt er unter anderem vor, Strom aus Gaskraftwerken zu beziehen. Dies jedoch würde die Klimabilanz der Schweiz um 4,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr verschlechtern. Nordmann verhehlt das nicht, rechnet aber vor, die Schweiz werde dank der Dekarbonisierung 31 Millionen Tonnen einsparen, unter dem Strich also klimapolitisch massiv an Terrain gutmachen.

Nordmanns Buch zeigt nicht zuletzt, wie komplex Klimapolitik ist – eine Debatte, die der SP-Politiker nun auch mit der Axpo führen wird. Der Stromkonzern will ihn ebenfalls einladen. Thema dürfte dann auch die Atomkraft und ihre klimapolitische Rolle sein. Für Nordmann sind AKW indes keine Lösung: zu teuer, zu gefährlich. Zudem verbessere sich die CO2-Bilanz der Fotovoltaik laufend. Auch habe das Stimmvolk 2017 Nein zu neuen Atommeilern gesagt. Dies, so Nordmann, sei zu akzeptieren.

Erstellt: 20.08.2019, 18:20 Uhr

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