Lieber zu viel als zu wenig reden

Es macht Sinn, am zweiten Arzttermin festzuhalten. Denn rückgängig zu machen ist der Entscheid nicht.

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Es gebe vereinzelt Frauen, die die Abtreibung zur Verhütung einsetzten, sagen Gynäkologinnen. Diese wüssten es aufgrund schlechter Aufklärung nicht besser, Verhütung sei ihnen zu teuer oder schlicht zu mühsam. Für alle anderen Frauen gilt: Sie treiben nicht leichtfertig ab. Egal, ob sie nach vier Kindern kein fünftes wollen. Gerade von ihrem Partner verlassen wurden. Sich noch zu jung fühlen. Sie alle lässt nicht kalt, dass sie ungewollt schwanger sind – und entscheiden müssen.

Deshalb haben Frauen ein sorgfältiges und gründliches Erstgespräch mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin verdient. Auch die Tabletteneinnahme soll unter ihrer Aufsicht passieren, eine Nachkontrolle ist angezeigt, nur schon um Komplikationen zu vermeiden. Das Erstgespräch ist deshalb so wichtig, weil noch nichts entschieden werden muss. Es geht vorerst um Information: Welche Beratungsstellen gibt es? Wie sähe ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch aus, wie ein chirurgischer? Und was sind mögliche Risiken und Nebenwirkungen physischer und psychischer Art? Erst dann wird ein Termin für ein zweites Gespräch vereinbart – und der eigentliche Abbruch vorgenommen.

Dieses Verfahren ist klar und im Vergleich zu früher stark vereinfacht. Es gibt keinen Grund, daran etwas zu ändern. Für Frauen, die entschieden eine Abtreibung wollen, mag es mühsam sein, sich nochmals erklären zu müssen. Das ist verständlich – aber auch nicht weiter schlimm. Ein paar Tage nur, und sie können den Schwangerschaftsabbruch hinter sich bringen. Wenn der Arzt in solchen Konfliktberatungen erfahren ist, hat er längst gespürt, wie klar sie sind – und ermöglicht ihnen unter Umständen den Abbruch mit nur einer Konsultation oder er setzt die empfohlene «angemessene Bedenkfrist» auf kurze 24 Stunden fest.

Doch grundsätzlich macht es Sinn, am zweiten Arzttermin festzuhalten. Weil man in Situationen, die einen definitiven Entscheid erfordern, lieber zu viel als zu wenig redet. Im besten Fall hilft dies jenen Frauen, die glaubten, sich gegen das Kind entschieden zu haben. Und es dann doch wollten. Möglicherweise nützt die Bedenkzeit aber sowieso allen. Denn egal wie der Entscheid ausfällt: Rückgängig zu machen ist er nicht.

Erstellt: 08.02.2016, 23:15 Uhr

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