«Louis XIV» beim ACS

Mathias Ammann spaltet den Automobil-Club. Der Wirtschaftsanwalt nennt sich führungsstark, andere sprechen von dominant.

Will einen «sauberen ACS» hinterlassen: Mathias Ammann. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

Will einen «sauberen ACS» hinterlassen: Mathias Ammann. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

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Das Säli im Berner Zweisternhotel ­National wirkt zu klein für Mathias Ammann. Nicht weil er Zentralpräsident des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS) ist, der mit 110'000 Mitgliedern als kleiner Bruder des TCS gilt, sondern weil Ammann Macht ausstrahlt. Eine Macht, die dieses Säli sprengt.

«Es geht mir nicht um mich, es geht mir um den ACS», sagt Ammann an der Medienkonferenz, sekundiert von zwei Mitgliedern des Vorstandes. Er könne es nicht verantworten, im Zug der «Intrigen und Machtkämpfe» im ACS abzu­treten. Der 52-Jährige betont, dass er aber zum Rücktritt bereit sei, sobald alle Vorwürfe restlos geklärt seien.

Solche Tränensäcke und dunkle Augenringe, das entspannte Ruhen im Körper wie bei dem ACS-Zentralpräsidenten, diese leise Stimme, die gebändigte Autorität verrät, kennt man sonst nur von Verwaltungsratspräsidenten grosser Unternehmen. Ammann hingegen ist Steuerrechts- und Wirtschaftsanwalt in Thun und Jegenstorf. Gemäss Kanzlei-Website war er Finanzchef eines grösseren börsenkotierten Konzerns. Doch das war vor 20 Jahren. An den genauen Namen kann er sich nicht mehr erinnern, nur daran, dass es eine Tochtergesellschaft der SAir-Group gewesen sei. Gemäss Website nimmt er heute «in diversen Verwaltungsräten mit strategischen Aufgaben Einsitz». Blickt man ins Handelsregister, sind es kleinere Immobilien- und IT-Firmen sowie ein Yoga-Magazin, das er verlegt.

Als Drahtzieher der «Intrigen und Machtkämpfe» bezeichnet Ammann im Säli den ehemaligen Generaldirektor Stefan Holenstein, aber auch Ruth Enzler, die Präsidentin des ACS Zürich, und Martin Buchli, den Präsidenten des ACS Graubünden. Über Wochen haben sie einen neuen Präsidenten für die Wahl am 23. Juni 2016 aufgebaut, weil die Mehrheit der Sektionen mit der Arbeit des Zentralpräsidenten Ammann nicht zufrieden war. ACS-Sektionspräsidentin Ruth Enzler nannte den Zentralpräsidenten in internen Mails «Louis XIV», und der General­direktor sprach von einem «angeschossenen Köter».

14 von 19 Sektionen legten Ende Mai Mathias Ammann nahe, nicht mehr als Präsident zu kandidieren. Und Ammann willigte ein in den Verzicht. Nach aussen kommuniziert wurde nichts. Bis die Zeitung «Der Bund» rund zehn Tage später öffentlich machte, dass Ammann sein Amt zur Verfügung stelle und FDP Nationalrat Christian Wasserfallen als ACS-Zentralpräsident kandidiere. Dann sprach Ammann öffentlich von einer «Intrige», die gegen ihn laufe. Die Sektionen hätten ihn aus dem Amt drängen wollen. «Falls es im Interesse des ACS ist, trete ich zur Wiederwahl an.»

Zweifel an Wasserfallen

Darauf ging es Schlag auf Schlag: Generaldirektor Holenstein wurde suspendiert, später entlassen, die Delegiertenversammlung vom 23. Juni in den Herbst verschoben, eine Geschäftsprüfungskommission einberufen und gestern Michael Gehrken, der ehemalige ­Direktor des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbandes (Astag), als General­direktor ad interim eingesetzt.

Zudem schürte Ammann an der Medienkonferenz auch Zweifel an Wasserfallens Kandidatur. «Vor allem muss ein Nachfolger als Zentralpräsident gefunden werden, der den Club von Grund auf kennt, die Interessen der Automobilisten mit aller Konsequenz vertritt und den ACS langfristig zu führen bereit ist», sagte er. Und auf die Frage, ob Christian Wasserfallen diese Voraussetzungen erfülle: «Er ist erst seit drei Monaten ACS-Mitglied.» Dass SVP-Nationalrat Thomas Hurter auch Interesse am Präsidium angekündigt hat, begrüsst Ammann hingegen ausdrücklich, da Hurter Mitglied der Verkehrskommission sei.

Ein unbekannter Thuner Rechtsanwalt mit kleinem Firmenimperium entlässt mit Stefan Holenstein fristlos den Präsidenten der Schweizerischen Offiziersgesellschaft und unterstützt eine Kampfkandidatur gegen FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Da spielt jemand gross auf. Oder kämpft um seine Ehre, wie ein langjähriger ACS-Sektionspräsident beteuert, der nicht genannt sein will. «Er fühlt sich hintergangen und durch ungerechtfertigte Vorwürfe verletzt und beleidigt.» Gemäss Martin Buchli, Sektionspräsident des ACS Graubünden und Ammanns Gegenspieler, gehe es Ammann nur um Macht. Ammann selbst weist diese Vorwürfe von sich. Es gehe ihm weder um Macht noch um Ehre, sondern um den ACS. «Ich will dem neuen Präsidenten einfach einen sauberen ACS hinterlassen.»

Führungsstark oder dominant?

Viele Sektionspräsidenten beschreiben Ammanns Führungsstil als dominant. Darin liege ein Hauptgrund für das Debakel des ACS. «Ich bin Rechtsanwalt und Unternehmer und erfolgsorientiert in allem», sagt Ammann mit dieser leisen, gebändigten Stimme. Vielleicht ist es genau das, was die Mehrheit der ACS-Sektionen gegen ihn aufbrachte. Sie wollten einen Verbandspräsidenten und nicht einen Unternehmer. Sie wollten einen Mann, der ins Säli eines Hotels National passt. Und den wollen 12 von 19 Sektionen morgen in Yverdon wählen.

Erstellt: 21.06.2016, 23:36 Uhr

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