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Lugano tauscht Parkplätze gegen Tunnel

Statt durch hügelige Wohnviertel fährt der Autoreisende nun durch einen Umfahrungstunnel nach Lugano. Und statt in der Innenstadt zu parken, sollte er nun das Park and Ride benutzen.

Hier geht es nun neu nach Lugano: Das Portal des Tunnels in Vedeggio in Lugano Nord.
Hier geht es nun neu nach Lugano: Das Portal des Tunnels in Vedeggio in Lugano Nord.
Keystone
Kein neuer Tunnel ohne feierliche Eröffnung: Das Portal des neuen Umfahrungstunnels Vedeggio-Cassarate bei Lugano während des Festaktes.
Kein neuer Tunnel ohne feierliche Eröffnung: Das Portal des neuen Umfahrungstunnels Vedeggio-Cassarate bei Lugano während des Festaktes.
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Damit soll nun Schluss sein: Mehrspurige Kolonnen von Fahrzeugen wälzen sich, wie jeden Tag am Lungolago entlang. (Archivbild)
Damit soll nun Schluss sein: Mehrspurige Kolonnen von Fahrzeugen wälzen sich, wie jeden Tag am Lungolago entlang. (Archivbild)
Keystone
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Seit 16.30 Uhr rollt der Verkehr durch den neuen Luganeser Umfahrungstunnel von Vedeggio nach Cassarate. Nach siebenjähriger Bauzeit ist er offiziell für den Verkehr freigegeben worden. Die täglichen Staus auf den Zufahrtsstrassen sollen damit der Vergangenheit angehören. Die Autofahrer müssen aber nun mit anderen Einschränkungen rechnen.

Gast an der Eröffnungsfeier war Verkehrsministerin Doris Leuthard. Diese brachte bei ihrer Ansprache unmissverständlich zum Ausdruck, dass der Tunnel nur den Anforderungen des Umweltschutzes entspreche, wenn gleichzeitig auch die Zahl der Parkplätze im Stadtzentrum reduziert werde.

Bund verlangte Parkplatzreduzierung

Diese Verminderung der Parkmöglichkeiten sei eine der Forderungen des Bundes gewesen, bevor er die 207 Millionen Franken an die Baukosten in Höhe von 355 Millionen Franken gesprochen habe, sagte Leuthard. Zusammen mit der Parkplatzreduzierung wird in der Stadt auch ein Grossteil der bisherigen Verkehrsführung verändert.

Der neue, 2,8 Kilometer lange Tunnel führt von der Autobahnausfahrt Lugano Nord statt durch Wohnquartiere an guten Hanglagen ins Cassarate-Tal nördlich des Fussballstadions Cornaredo. Dort befindet sich eine Park-and-Ride-Anlage. Weitere Park-and-Ride-Parkmöglichkeiten werden noch geschaffen, um die aufgehobenen Parkplätze in der Innenstadt zu ersetzen.

Verwurzelte Gewohnheiten

Der Luganeser Stadtpräsident Giorgio Giudici sagte bei der Eröffnung, dass der neue Tunnel den Anfang eines neuen urbanen Mobilitätskonzeptes darstelle. Anfang 2013 werde Lugano dank der Fusion mit Vorortsgemeinden die flächenmässig zweitgrösste Stadt der Schweiz.

Für den Tessiner Baudirektor Marco Borradori bedeutet der neue Tunnel einen «radikalen Wechsel eines Verkehrssystems, einer Mentalität und von fest verwurzelten Gewohnheiten».

Zweifel an Mentalitätsänderung

Kilometerlanger Autoschlangen in der Innenstadt sind ein alltägliches Problem in Lugano. Der Tunnel, das Park-and-Ride-System und eine vielerorts neue Verkehrsführung sollen das Problem nun beheben. Ein von «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung», «Bund» und «Basler Zeitung» abgedruckter Artikel zitiert aber auch Kritiker. Die Zweifel richten sich insbesondere gegen das Park-and-Ride-System. Laut dem Luganeser SP-Grossrat Nenad Stanovic habe Lugano die Bundesvorgaben nicht streng genug umgesetzt und unter anderem zuwenige Parkplätze aus der Innenstadt entfernt.

Selbst die Vertreter der Stadt Lugano äusserten sich vor der Eröffnung zurückhaltend. Den Stadtpräsidenten Giorgio Giudici zitiert der Artikel mit den Worten: «Das Auto ist Teil unserer Gesellschaft». Baudirektor Borradori sagte zu der erwarteten Zahl von 25'000 Fahrzeugen, die Lugano via den neuen Tunnel erreichen: «Hoffen wir, dass es nicht wie beim Gotthard-Strassentunnel dann wesentlich mehr werden».

Leuthard preist zweite Gotthardröhre an

Von ebendiesem Gotthard-Strassentunnel sprach auch Bundesrätin Doris Leuthard. 2012 sei ein «Tessiner Jahr», was den Strassenbau betreffe, sagte Leuthard, und erinnerte an den Beschluss des Bundesrates, durch den Gotthard eine zweite Röhre für den Strassenverkehr zu bauen. Damit werde der Kanton Tessin während den Sanierungsarbeiten der bestehenden Röhre nicht vom Rest der Schweiz abgeschnitten, meinte die Bundesrätin.

SDA/mw

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