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Machen Sterbehelfer Gewinne mit dem Tod?

Bei Lifecircle und Dignitas kostet das Sterben bis zu 10'000 Franken. Die Preise haben die Justizbehörden alarmiert.

Die Sterbehilfsorganisation können die Preise selbst bestimmen: Ansicht des Sterbezimmers der Dignitas in Zürich-Wiedikon. (18. September 2002)
Die Sterbehilfsorganisation können die Preise selbst bestimmen: Ansicht des Sterbezimmers der Dignitas in Zürich-Wiedikon. (18. September 2002)
Gaetan Bally, Keystone

10‘000 Franken zahlte die 75-jährige Britin Gill Pharaoh dem Verein Lifecircle/Eternal Spirit, damit sie in Basel in den Tod begleitet wurde. In Grossbritannien sorgte die Geschichte der Frau für viel Wirbel. Die Summe ruft nun auch die Schweizer Justiz auf den Plan, berichtet die «Sonntagszeitung». Die Staatsanwaltschaft prüft, ob die Sterbehilfeorganisation verbotenerweise Gewinn aus den Beihilfen zum Suizid erzielt.

«Es geht konkret um die in Rechnung gestellten Kosten für die Freitodbegleitung und die damit verbundene Frage, ob eventuell selbstsüchtige Beweggründe, also Gewinnsucht, vorliegen», sagt Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft der Zeitung. Kommt es zur Verurteilung, muss die Stiftungsgründerin Erika Preisig mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Aber auch eine Busse wäre möglich.

Lange ärztliche Gespräche

Die «Sonntagszeitung» splittet die Kosten für die Sterbehilfe bei Lifecircle auf. Die medizinische Begutachtung sowie die Durchführung der Suizidbegleitung koste 3240 Franken. Auffällig seien vor allem die langen ärztlichen Gespräche, die die Organisation in Rechnung stelle. Diese sollen acht Stunden pro Fall betragen haben. Bei der Verabreichung des Gifts sei ein Arzt während fünf Stunden anwesend. Die Kosten belaufen sich auf 990 Franken zuzüglich Mehrwertsteuer, wie Moritz Gall, Anwalt von Lifecircle-Gründerin Erika Preisig sagt.

Insgesamt bezahlen ausländische Sterbewillige der Organisation 10‘000 Franken, bei Schweizern wird 4000 Franken verlangt. Laut der Stiftung kostet bereits das Vorprüfungsverfahren bei Ausländern zwischen 1500 und 3000 Franken, bei Schweizern ist es rund ein Drittel davon. Die Bestattungskosten fallen mit 2800 Franken ins Gewicht. Für den Zürcher Kantonsrat Rico Brazerol (BDP) sei dies eine «reine Geschäftsmacherei» und «einfach nur ekelhaft.»

Keine transparenten Zahlen

Gall wehrt sich gegen die Vorwürfe. Die Stiftung Eternal Spirit sei nicht gewinnorientiert, beim Verein Lifecircle habe sich der Gewinn im vergangenen Jahr auf 46‘000 Franken belaufen. Diese Daten lassen sich nicht überprüfen, da Finanzberichte nicht veröffentlicht werden.

Auch bei Dignitas sind keine Jahresberichte einsehbar. Für Chef Ludwig Minelli braucht es nicht mehr Transparenz: «Zu weiterführenden Angaben gegenüber Dritten ist der Verein nicht verpflichtet.» Die Organisation verlangt für eine Freitodbegleitung 7000 Franken, weitere 3500 Franken kommen dazu, wenn die Organisation auch die Bestattung regeln soll.

Deutlich günstiger ist das Sterben mit Exit. Zwischen 900 und 3500 Franken verlangt die Organisation, je nachdem wie lange die Person schon Mitglied ist. Wer länger als drei Jahre dabei ist, für den ist Sterbebegleitung gratis. Exit verzichtet im Gegensatz zur Konkurrenz ganz auf ausländische Mitglieder. Zudem veröffentlicht die Sterbehilfeorganisation jedes Jahr einen Jahres-, Finanz- und Revisionsbericht.

Forderung nach gesetzlicher Regelung

Die unterschiedlichen Preise und die Intransparenz einiger Vereine alarmieren den ehemaligen Zürcher Oberstaatsanwalt Andreas Brunner. Er fordert eine gesetzliche Regelung ähnlich wie beim Ärztetarif Tarmed. «Das ist nötig zum Schutz des schwachen, kranken und sterbewilligen Menschen», sagt Brunner.

Zustimmung erhält Brunner vom Verein für Ethik und Medizin Schweiz. «Wir halten die ungenügende Transparenz bei Finanzfragen im Rahmen von privat organisierten Suiziden für sehr problematisch», sagt Präsident Michel Romanens. Die Sterbehilfe solle nur durch eine transparente Organisation oder Stiftung durchgeführt werden dürfen. «Die Gewinne sollten nicht eine private Vereinskasse fliessen», sagt Romanens.

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