Mad Men und die Frauen

In der Werbebranche hat sich in Sachen Emanzipation in den letzten Jahrzehnten wenig getan.

Männerdominierte Werbebranche: US-Schauspieler Jon Hamm in der TV-Serie «Mad Men». Foto: Keystone

Männerdominierte Werbebranche: US-Schauspieler Jon Hamm in der TV-Serie «Mad Men». Foto: Keystone

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Es sind weniger die Blicke, die instinktiv den Ausschnitt einer Frau aufsuchen. Es sind auch nicht die Bemerkungen einzelner Bürokollegen, wenn sich Frau an einem Morgen entschieden hat, hohe Absätze oder einen roten Lippenstift zu tragen: «Hast du heute nach Feierabend noch etwas vor?» Damit rechnet die Frau, damit kann sie umgehen, denn das hat sie lernen müssen.

Was eine Berufsfrau bei der Arbeit wirklich kränkt, ist in ihrem Metier nicht ernst genommen zu werden. Kompetent zu sein, sich vorzubereiten, gute, kreative Ideen zu formulieren, dabei extra laut zu sprechen – um dann trotzdem, an einem männerdominierten Sitzungstisch, semi-bewusst überhört zu werden.

Noch heute Alltag

Was klingt wie ein Meeting aus der Fernsehserie «Mad Men» über die Werbeszene im New York der Sechzigerjahre, ist noch heute Alltag. Gerade in dieser Branche. Das geht aus all dem hervor, was Kaderfrauen bekannter amerikanischer Werbeagenturen in der «New York Times» über ihre Tätigkeit und über die noch bestehenden Geschlechterunterschiede bekannt haben.

Zum Beispiel beschreibt Susan Credle, die künstlerische Leiterin der berühmten Werbeagentur Foot, Cone & Belding, wie sie von Kollegen dezent ignoriert wird. Die erfolgreiche Kaderfrau, die die M&Ms Red und Yellow zu sprechenden Figuren entwickelt hat, wird an Firmenfeiern kaum angesprochen. Die Managerkollegen aus der Werbung ziehen es vor, sich stattdessen mit ihrem Mann zu unterhalten.

Credle erzählt weiter, wie sie einmal hinter der Bühne neben zwei Männern wartete, um an einer jährlichen Werbekonferenz zu referieren. Als ein weiterer Referent die Bühne runterkam, grüsste er die zwei Männer neben ihr. «Er hat mich nicht einmal eines Blickes gewürdigt. Ich fühle mich als wäre ich unsichtbar.»

Problematisch seien laut Credle auch als Ausflug getarnte Meetings. Etwa wenn sich die männlichen Kollegen abends treffen um ein Steak zu essen oder gemeinsam Sport zu schauen. So werde man als Frau automatisch ausgeschlossen.

Auch Megan Pagliuca, die CEO der Agentur Accuen bestätigt, wie der Sexismus vor allem bei organisierten Firmenausflügen zu spüren sei. Golfturniere oder Trinkabende würden für geschäftliche Zwecke genutzt. Die Frauen spürten so laut Pagliuca immer mehr den Druck, Golf spielen zu lernen, oder sich mehr wie ihre männlichen Kollegen zu verhalten, um nicht ausgeschlossen zu werden.

Jean Batthany, die künstlerische Leiterin der weltweit tätigen Werbeagentur DDB in Chicago bestätigt, die vulgäre Sprache und die taschelnden Hände seien das kleinste Übel. «Es sind die subtilen Dinge, die längerfristig schaden.»

Die Geschlechterdiskriminierung und die Aufrechterhaltung von Stereotypen würde auch besonders deutlich, wenn man die Werbungen anschaut, welche die Agenturen produzieren. Viele zeigen Frauen, die in Küchen stehen, oder Männer beim Autofahren. Batthany: «Wenn die ganze Werbung ausschliesslich von Männern gestaltet wird und man die Resultate anschaut, gibt es eine deutliche Verzerrung.»

Meist die Einzige

Erst im März verklagte eine Mitarbeiterin der Werbeagentur J. Walter Thompson den CEO Gustavo Martinez wegen sexistischer und rassistischer Aussagen. Belege für die Behauptungen der Frau gab es laut der Firma vorerst keine. Trotzdem trat der CEO kurz darauf zurück. Und wurde von einer Frau ersetzt. Musste man ein Zeichen setzen oder ist es mehr?

Dass Frauen in der Werbebranche nicht ernst genommen würden, kann Petra Dreyfus nicht bestätigen, Mitinhaberin und Managing Director der Schweizer Agentur Wirz Werbung. Es sei subtiler, sagt sie: «Ich stelle fest, dass Männer relativ sensibel reagieren, wenn ich Dinge direkt auf den Punkt bringe. Dann wird man auch gerne Mal als Mann bezeichnet. Was in dem Fall lustigerweise nicht als Kompliment gemeint ist.» Dass es auf ihrer Ebene mehr Männer als Frauen hat, bedauert sie: «In Meetings mit dem CEO und Marketingdirektor bin ich meist die einzige Frau nebst der Sekretärin, die dem CEO den Kaffee bringt. Das ist sträflich, denn sehr häufig richtet sich unsere Kommunikation an Frauen.»

Erstellt: 02.05.2016, 19:30 Uhr

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