Widmer-Schlumpf am WEF

«Man hat Hildebrands Abgang bedauert»

Eveline Widmer-Schlumpf sprach in Davos mit US-Finanzminister Timothy Geithner. Sie sieht Entspannung im Steuerstreit.

«Man darf nicht in Pessimismus verfallen:» Eveline Widmer-Schlumpf bei einer Rede am WEF in Davos.

«Man darf nicht in Pessimismus verfallen:» Eveline Widmer-Schlumpf bei einer Rede am WEF in Davos. Bild: Keystone

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Frau Widmer-Schlumpf, Sie haben US-Finanzminister Timothy Geithner getroffen und mit ihm über den Steuerstreit gesprochen. Ein gutes Erlebnis?
Ja, wir gehen davon aus, dass wir weitere Fortschritte erzielt haben. Summen wurden schon früher auf der technischen Ebene diskutiert. Unser Ziel ist es, eine Lösung zu finden, dass man die Vergangenheit ruhen lassen kann. Die USA haben ausdrücklich zum Ausdruck gebracht, dass sie das auch wollen. Niemand will, dass wir jedes Jahr wieder damit konfrontiert werden.

Hat die USA Verständnis dafür, dass das Parlament hier mitredet?
Geithner anerkennt, dass wir uns bemüht haben, der Auslegung, so wie wir sie immer verstanden haben, nämlich bei Amtshilfegesuchen Gruppenanfragen zuzulassen, zum Durchbruch zu verhelfen. Die USA wissen, dass wir nicht nur bei den Doppelbesteuerungsabkommen eine gute Rolle spielen, sondern auch bei der Weissgeldstrategie.

In welchem Zeitraum bringen Sie das durch?
Wir haben gesagt, dass wir Ende 2012 diese Verhandlungen beendet haben wollen. Ich gehe davon aus, dass dies realistisch ist. Der parlamentarische Prozess braucht immer etwas Zeit, aber das wissen die Amerikaner auch.

Beim Fall Hildebrand war die Befürchtung gross, dass dies international verunsichern würde. Ist das so?
Natürlich bin ich darauf angesprochen worden. Man hat Hildebrands Abgang bedauert, weil er bei den Finanzministern und Notenbankvertretern sehr geschätzt war. Aber es war nirgends ein Thema, dass dadurch ein Vertrauensverlust oder Irritationen entstanden seien. Man betrachtet die Schweizerische Nationalbank als sehr stabile Institution. Ich war sehr positiv überrascht.

Wie verliefen Ihre Gespräche zur Schuldenkrise in Europa?
Grundlage der Gespräche mit meinen europäischen Amtskollegen war klarer Realismus. Wir wissen alle, dass wir in einer schwierigen Lage sind, auch die Schweiz im Übrigen. Man darf aber nicht in Pessimismus verfallen. Diese Situation eröffnet auch Chancen. Ich sehe durchaus solche, aber die möchte ich zuerst mit dem Bundesrat diskutieren.

Erstellt: 26.01.2012, 22:17 Uhr

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