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«Man kann der Gesellschaft ein neues Betreuungsmodell nicht überstülpen»

Michelle Cottier hat eine Studie zur alternierenden Obhut verfasst. Die ­Rechtsprofessorin sagt, die Voraussetzungen dafür seien in der Schweiz nicht gegeben.

In den letzten Jahren hat sich das Parlament ausführlich mit den Themen Kinder, Eltern, Scheidungen auseinandergesetzt. Seit Mitte 2014 ist das gemeinsame Sorgerecht die Regel, 2017 tritt das neue Unterhaltsrecht in Kraft. Es enthält unter anderem diese Bestimmung: Bei gemeinsamer elterlicher Sorge prüft das Gericht im Sinne des Kindeswohls die Möglichkeit einer alternierenden Obhut, wenn ein Elternteil oder das Kind dies verlangt.

Noch betreuen in der Schweiz nur ganz wenige Trennungseltern ihre ­Kinder «zu mehr oder weniger gleichen Teilen», wie es der Bundesrat in der ­Botschaft formuliert hatte. Laut einer Studie aus dem Jahr 2009 sind es rund fünf Prozent. Das habe auch kulturelle Gründe, sagt Michelle Cottier, Professorin für Zivilrecht an der Universität Genf. Die Schweiz habe eine vergleichsweise traditionell geprägte Organisation der Kinderbetreuung: «Mütter arbeiten häufig zu tiefen Pensen und engagieren sich mehr in der Kinderbetreuung, bei den Vätern ist es umgekehrt.» Deshalb sei es folgerichtig, dass die Eltern nach der Trennung in der Regel das Betreuungsmodell weiterführen.

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