Mario Fehr castet Schweizer Geheimdienstchef

Der Sicherheitsdirektor des Kantons Zürich hilft bei der Suche nach einem neuen Nachrichtendienst-Direktor.

Eher überraschend unterstützt er den Bundesrat bei der Wahl des neuen Geheimdienstchefes: der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr. Bild: Keystone/Pascal Mora

Eher überraschend unterstützt er den Bundesrat bei der Wahl des neuen Geheimdienstchefes: der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr. Bild: Keystone/Pascal Mora

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Der Zürcher Regierungsrat Mario Fehr übernimmt, eher überraschend, eine Aufgabe ausserhalb des Kantonsgebiets. Als Mitglied einer kleinen Findungskommission unterstützt er den Bundesrat in den nächsten Wochen bei der Wahl eines neuen Direktors des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB). Zusammengesetzt hat die Geheimdienst-Casting-Truppe Verteidigungsminister Guy Parmelin.

Die Berücksichtigung des Zürcher ­Sozialdemokraten durch den Waadtländer SVP-Politiker Parmelin überrascht nicht nur von der Parteizugehörigkeit her. Zwischen Fehr und dem Bund gab es kürzlich auch Meinungsverschiedenheiten. Im Mai kündigte der Vorsteher der Zürcher Sicherheitsdirektion an, er wolle die Koranverteilungsaktion «Lies!» verbieten. Der NDB hatte dafür keine rechtliche Handhabe gesehen. Inzwischen hat sich die Sache aber gelegt. Fehr reagierte gestern nicht auf eine Anfrage dieser Zeitung.

Ex-Parlamentarier dominieren

Präsidiert wird die sechsköpfige Findungskommission von Nathalie Falcone. Parmelins Generalsekretärin ist die einzige Frau im Gremium. Mit Marc Siegen­thaler, dem Chef Ressourcen im Verteidigungsdepartement, ist aber auch ihr Stellvertreter an der Vorauswahl für den exponierten Posten beteiligt.

Parteipolitisch ist die Findungskommission ausgewogen besetzt. Drei Alt-Ständeräte decken ein breites Spektrum ab: Der Tessiner Dick Marty politisiert bei der FDP, der Nidwaldner Paul Niederberger bei der CVP und der Waadtländer Luc Recordon bei den Grünen.

Der frühere Nationalrat Mario Fehr ist der einzige noch aktive Politiker im sechsköpfigen Gremium, dessen Zusammensetzung bislang nicht bekannt war. Ein neuer NDB-Direktor wird gesucht, weil der langjährige Geheimdienstchef Markus Seiler auf den 1. Dezember hin als Generalsekretär zum neuen Aussenminister Ignazio Cassis wechselt.

Altgediente versus Ehemalige

Interimistisch leitet ab dann der Stellvertretende Direktor Paul Zinniker den Dienst. Ihm werden Ambitionen auf eine dauerhafte Übernahme des Amtes nachgesagt. Allerdings ist seine Position geschwächt, weil er unter anderem die ­Affäre um den in Deutschland verurteilten Schweizer Spion Daniel M. mitverantwortet. Zinniker reagierte ebenfalls nicht auf eine Anfrage dieser Zeitung.

Zusätzliche interne Kandidaten für den vakanten Chefposten sind die beiden NDB-­Vizedirektoren Jürg Bühler und Thomas Schöttli. Sie wollten sich gestern nicht zu einer möglichen Kandidatur äussern.

Weitere häufig gehandelte Namen stammen aus der Westschweiz: Über Erfahrung beim ehemaligen Schweizer Auslandsgeheimdienst verfügen der Neuenburger Polizeidirektor Pascal Luthi und Christian Dussey, Direktor des Geneva Centre for Security Policy, die sich ebenfalls nicht zu einer potenziellen Bewerbung äussern wollten. Botschafter Dussey war als Leiter des Krisenmanagementzentrums des Bundes bis 2012 in die Bemühungen um die Schweizer Taliban-Geiseln in Pakistan involviert. Eine Absage kommt von André Duvillard, dem Leiter des Sicherheitsverbunds Schweiz. «Ich reiche mein Dossier nicht ein», sagt er auf Anfrage.

Die Bewerbungsfrist, ursprünglich bis 30. November, wird verlängert. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.11.2017, 20:54 Uhr

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