Matter ist der Favorit des inneren Zirkels

Vieles spricht dafür, dass der Zürcher Banker neuer SVP-Präsident wird. Denn kein SVP-Chef tritt ab, ohne dass die oberste Führung klare Vorstellungen über den Nachfolger hat.

Thomas Matter kann gesellig sein – etwas, das im Machtkreis um die Blochers wichtig ist. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Thomas Matter kann gesellig sein – etwas, das im Machtkreis um die Blochers wichtig ist. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

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Die Ansprüche der SVP an die Nachfolge von Parteipräsident Albert Rösti sind sehr hoch. Magdalena Martullo-Blocher machte dies im Interview mit dieser Zeitung klar: Der oder die Neue müsse führen, schweizweit. In den Kantonalsektionen präsent sein. Helfen, unterstützen und «den Tarif durchgeben». Die Strukturen der Partei stärken und die Kulturen im Land gut kennen. Deutsch und Französisch sprechen, womöglich auch Italienisch oder Romanisch. Was Martullo-Blocher nicht sagte: Er oder sie muss auch im Bundeshaus verankert sein.

Nimmt man all diese Kriterien zusammen, kann man eigentlich nur zu einem Schluss kommen: So jemanden gibt es im Bundeshaus bei der SVP nicht. Der Anforderungskatalog Martullo-Blochers scheint eher dazu geeignet, mögliche Kandidaten aus den Kantonen davon abzuhalten, sich für das Amt zu melden. Kommt hinzu, dass Albert Rösti mit seinem Rücktritt verkündete, der neue Präsident oder die neue Präsidentin müsse bedeutend mehr Zeit investieren, als er es die letzten vier Jahre getan habe.

Ist all dies kein Zufall, sondern Absicht, drängt sich die Annahme auf, dass die Nachfolge Röstis vom inneren SVP-Machtzirkel bereits erkoren ist. Genau wie es bei den früheren SVP-Parteipräsidenten Ueli Maurer, Toni Brunner und Albert Rösti der Fall war, als deren Vorgänger abtraten.

Matter verfügt über den Willen und den Ehrgeiz, der Partei zu alter Stärke zu verhelfen.

Blocher hat klare Kriterien, nach denen er seine Führungskräfte auswählt. Thomas Matter erfüllt diese, denn er ist arbeitsam, kennt die politischen Dossiers aus der Finanz-, Wirtschafts- und Aussenpolitik bestens. Und er verfügt über den Willen und den Ehrgeiz, der Partei zu alter Stärke zu verhelfen. (Lesen Sie hier, warum Albert Rösti für die SVP ein gescheitertes Experiment ist.)

Gesellig und finanziell unabhängig

Zudem ist Matter finanziell unabhängig und nicht in jedem Fall auf Geld aus Herrliberg angewiesen, sollte er politische Projekte mit Aussenwirkung in Eigenregie durchziehen wollen. Letzteres hat Matter bereits bewiesen. Er liess Wahlspots für seine Partei kreieren und Filme, die – was die Umsetzung anbelangte – auch bei SVP-Unabhängigen auf Beachtung und Anerkennung stiessen. Für die Kosten kam der Bankier selbst auf.

Was im Machtkreis um die Blochers ebenfalls wichtig ist und ankommt: Matter kann auch gesellig sein, Menschen in seinem Umkreis bei einem Bier von etwas überzeugen. Er kann aber auch organisatorische Parteiinteressen mit jener Härte durchsetzen, die Martullo-Blocher im Interview mit dieser Zeitung zuletzt als unabdingbar bezeichnete.

Thomas Matter selber nahm bislang nicht Stellung. Auch eine offizielle Bestätigung von der Partei gibt es nicht. Darauf, dass er Präsidentschaftskandidat Nummer eins ist, deuteten gestern aber informelle Gespräche hin.

Dass die verantwortlichen SVP-Exponenten nur kurz nach Röstis Rücktrittserklärung Matter nicht offiziell als Kronfavoriten bestätigen, erscheint logisch; das in den Stauten vorgeschrieben Wahlverfahren soll auch nach einem Vorentscheid hinter den Kulissen normal verlaufen. Normal heisst: Anfang 2020 haben die Kantonalparteien ihre Kandidaturen anzumelden. Die Parteidelegierten werden danach, am 28. März, in Basel Röstis Nachfolge bestimmen.

Erstellt: 24.12.2019, 08:35 Uhr

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