Maudet sagt Auftritt vor Rohstoffhändlern ab

Bern ruft. Bundesratskandidat Pierre Maudet macht sich in Genf in diesen Tagen rar. Heute liess er einen Auftritt vor Rohstoffhändlern platzen.

Konzentriert sich auf seine Kandidatur: Bundesratskandidat Pierre Maudet nach dem Hearing der Bundeshausfraktion der SVP.

Konzentriert sich auf seine Kandidatur: Bundesratskandidat Pierre Maudet nach dem Hearing der Bundeshausfraktion der SVP. Bild: Alessandro della Valle/Keystone

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Die Nachricht der Britisch-Schweizerischen Handelskammer hat einen dramatischen Unterton. «Wegen Veranstaltungen ausserhalb seiner Kontrolle, extrem kurzfristig anberaumt, musste Pierre Maudet seinen Auftritt zu unserem Bedauern absagen», heisst es in einer Mitteilung an die Teilnehmer der Konferenz «Die Rohstoffhandelsindustrie in der Schweiz», die heute in Genf stattfindet. Die Handelskammer kündigte Maudets Auftritt schon vor Monaten an. Da war Genfs Sicherheits- und Volkswirtschaftsminister noch nicht Bundesratskandidat. Und da war auch noch nicht bekannt, dass die Bundesanwaltschaft gegen die Genfer Rohstoffhandelsfirma Gunvor wegen fragwürdiger Geschäfte in der Republik Kongo ermittelt, worüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet diese Woche berichtet. Wollte Maudet vermeiden, kurz vor der Bundesratswahl über die Rohstoffbranche, ihre Transparenzprobleme und mögliche neue Regulierungen zu sprechen?

Rolin Wavre, Leiter von Maudets Bundesratskampagne, verneint. «Maudet hätte am Anlass nicht über das Handelsgeschäft, sondern über dessen Bedeutung für die Genfer Wirtschaft gesprochen», sagt er. Er müsse sich in diesen Tagen ganz auf seine Arbeit in Bern konzentrieren. Das sei in diesem Moment leider unabdingbar. Im Übrigen sei Maudet schon am Dienstag den ganzen Tag über in Bern gewesen, weil die ersten Parteihearings anstanden, so Wavre.

Video: Politbüro: Der Tagi-Talk zur Bundesratswahl

Warum alle in Maudet verknallt sind – und die Rüebli-Substanz der FDP-Aussagen.

Am Dienstag haben die Genfer Staatsräte an einer Medienkonferenz das Budget 2018 präsentiert. Ein heikles Dossier. Das Budget geht von einem Defizit von 200 Millionen Franken aus. Der Staatsrat hat bereits angekündigt, bis Ende Jahr ein Paket für Sparmassnahmen zu präsentieren, um die Schuldenlast des Kantons von aktuell 12 Milliarden Franken nicht weiter ansteigen zu lassen. Am Mittwoch war Maudet dann wieder zurück in Genf für die obligate Staatsratssitzung.

Maudet antwortet Alliance Sud

Lob für Maudet äussert die NGO Alliance Sud. Sie hat die Bundesratskandidaten in den letzten Tagen in einem Brief aufgefordert, sich zum Thema Entwicklungszusammenarbeit zu äussern. Von Isabelle Moret bekam die NGO keine Antwort, Ignazio Cassis entschuldigte sich, für Medien- und Verbandsanfragen leider keine Zeit mehr zu haben. «Anders Pierre Maudet», so Alliance Sud. Maudet anerkenne die Entwicklungszusammenarbeit als wichtige Investition in die Zukunft, heisst es in einer Medienmitteilung. «Internationale Zusammenarbeit sei nicht einfach ein Budgetposten», habe der Genfer geantwortet. «Jeden Rappen, den man hier einspare, müsse man früher oder später wieder ausgeben, nicht zuletzt für den Kampf gegen die illegale Einwanderung», lautet Maudets Haltung.

Darum will Maudet die Entwicklungszusammenarbeit nicht unter 0,5 Prozent des Bruttonationaleinkommens senken – anders als die SVP- und FDP-Vertreter in der nationalrätlichen Finanzkommission. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.09.2017, 13:05 Uhr

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