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Schweizer Spion soll seine Chefs getäuscht haben

Die Geschichte vom Maulwurf des NDB in einer deutschen Steuerbehörde sei frei erfunden. Der Partner von Daniel M. erhebt schwere Vorwürfe gegen den Schweizer Spion.

Hat mit Daniel M. als Kooperationspartner zusammengearbeitet: Der Frankfurter Sicherheitsexperte Klaus-Dieter Matschke. Bild: kdm-group.de
Hat mit Daniel M. als Kooperationspartner zusammengearbeitet: Der Frankfurter Sicherheitsexperte Klaus-Dieter Matschke. Bild: kdm-group.de

Die Geschichte um einen Maulwurf im Finanzministerium habe der Spion Daniel M. erfunden, sagt der Frankfurter Sicherheitsexperte Klaus-Dieter Matschke. Der «Nordwestschweiz» zufolge glaubt Matschke, M. habe sich damit beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) brüsten wollen.

Im Haftbefehl des deutschen Bundesgerichtshofs wird M. vorgeworfen, einen Maulwurf im Umfeld des nordrhein-westfälischen Finanzministers Norbert Walter-Borjans eingeschleust zu haben. Damit wollte der NDB an «unmittelbare Informationen über das Vorgehen der deutschen Behörden beim Ankauf sogenannter Steuer-CDs» gelangen.

Wollte «weiterhin angesehen» sein

Matschke, der laut dem Haftbefehl ein Helfer von M. gewesen sein soll, gibt sich davon überzeugt, dass es gar keinen Maulwurf gibt. Den habe Daniel M. erfunden. «Ich glaube, er musste einen Erfolg produzieren, um dort weiter angesehen zu sein.» Also habe M. wohl den «Erfolg» mit der eingeschleusten Quelle bei Norbert Walter-Borjans erfunden. «M. sagte, um seine Ausgaben zu rechtfertigen, das Geld sei in einen Maulwurf investiert worden.»

Er und Daniel M. seien Kooperationspartner, sagt Matschke. «Wenn wir in der Schweiz etwas haben, dann kriegt er das. Wenn er was in Deutschland hat, dann bearbeiten wir das für ihn.» Dies aber nur im Auftrag für Kunden.

«Ein typischer Schweizer»

Daniel M. sei ein «sehr sympathischer, absolut gewinnender Typ. Er wirkt total seriös, ein typischer Schweizer eben.» Matschke habe erst im Lauf des Jahres 2015 erfahren, dass M. für den NDB arbeite, als dieser bei der Schweizer Bundesanwaltschaft in Haft gewesen sei. Der Ex-Polizist hatte sich im Visier der hiesigen Justiz wiedergefunden, nachdem er versucht hatte, über einen israelischen Kontakt Bankdaten zu beschaffen und diese an deutsche Abnehmer weiterzuverkaufen.

Er kenne aber niemanden im Finanzministerium von Nordrhein-Westfalen oder in der Steuerfahndung, sagt Matschke der «Nordwestschweiz». «Ich habe niemals mit irgendjemandem telefoniert. Ich habe überhaupt nichts getan in dieser Richtung.»

Über Steuer-CDs philosophiert

Im deutschen Haftbefehl steht, Matschke habe von den 90'000 Euro, die er vom NDB erhalten hat, 40'000 Euro als Motivationszahlungen an bislang unbekannte, an der Operation beteiligte Personen weitergeleitet. Die restlichen 50'000 Euro habe er selber erhalten.

Der «Nordwestschweiz» gegenüber dementiert Matschke dies: «Ich habe kein Geld gekriegt, keinen müden Euro.» Allerdings habe er sich mit Daniel M. vor Jahren über die Schweizer Steuer-CDs unterhalten. M. habe ihn gefragt, wie er vorgehen würde. Die beiden hätten dann darüber philosophiert. Ansonsten habe er mit der Geschichte nichts zu tun: «Aber auch nicht den Hauch.»

«Spezialist für schwierige Ermittlungen»

Matschke, laut der «Nordwestschweiz» ein «altgedienter und mit allen Wassern gewaschener Spezialist für schwierige Ermittlungen», habe sich vor Jahren unter anderem als Jäger von Stasi-Agenten einen Namen gemacht.

Der Deutsche glaubt, von M. gezielt als Zeuge ausgewählt worden zu sein. «Er wollte jemanden haben, bei dem vom Schweizer Dienst niemand nachhakt. Das war bei mir so: Ich habe keine Kontakte zum Schweizer Nachrichtendienst.»

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