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Skigebiete rebellieren – und geben nach Berset-Machtwort auf

Illegal sei der Weiterbetrieb der Skigebiete, sagte der Innenminister heute und er drohte einzugreifen. Das zeigte Wirkung.

Blieb zunächst offen, schliesst jetzt aber auch: Das Jungfrau-Skigebiet. Foto: Gaetan Bally (Keystone)
Blieb zunächst offen, schliesst jetzt aber auch: Das Jungfrau-Skigebiet. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Die Aussage des Bundesrats zur Schliessung der Skigebiete wegen des Coronavirus ist von den Bergbahnen zunächst unterschiedlich interpretiert worden. Einige blieben offen. Nach einem Machtwort von Bundesrat Alain Berset krochen sie am Samstag zu Kreuze.

Wie der Innenminister in der «Samstagsrundschau» von Radio SRF sagte, ist der Weiterbetrieb in den noch offenen Skigebieten illegal. Der Erlass der Landesregierung sei klar. Er rufe die betreffenden Gebiete darum zur sofortigen Schliessung auf. Interpretationsspielraum gebe es nicht.

Er dulde die Aufrechterhaltung des Wintersportbetriebs nicht und werde notfalls eingreifen. Für die Durchsetzung stünden die Kantone in der Pflicht. Auch stelle sich die Versicherungsfrage, wenn die Gebiete nicht schliessen. Das Wallis und Graubünden hätten sich sofort verantwortungsvoll gezeigt.

Bereits am Freitag sagte Berset, das Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 100 Leuten bedeute die Schliessung der Skigebiete. Das Bundesamt für Gesundheit unterstrich das am Samstag eigens in einem Communiqué. Das Verbot verhindere Menschenansammlungen bei Freizeit-Transportanlagen.Die Verordnung gilt seit Freitagnachmittag.

Unterschiedliche Ansichten

Die Skigebiete interpretierten die Massnahme zunächst unterschiedlich. Die Bündner Regierung etwa schrieb in einer ersten Reaktion, die Skigebiete müssten ab Montag den Betrieb einstellen. Wenig später korrigierte sie die Aussage und verkündete, Skigebiete und Bergbahnen in Graubünden müssten per sofort schliessen, was sie auch taten.

Der Berner Regierungspräsident Christoph Ammann sagte, «Social Distancing» sei aus seiner Sicht auf Skipisten möglich. Diese Aussagen trugen zu einer gewissen Unsicherheit bei den Bergbahnen bei.

Einige, wie die Bruni-Bahnen in Engelberg OW, stellten sich von Anfang an auf die sichere Seite und somit den Betrieb ein. Obwohl sich auf den Pisten nie 100 Menschen auf einem Fleck befänden, habe man sich für die scharfe Auslegung entschieden.

Rebellen geben auf

Andere Bahnen hingegen fuhren am Samstag zunächst unbeirrt weiter. Die Titlis-Bergbahnen stützten sich dabei auf juristischen Rat, wie ihr CEO Norbert Patt auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Noch am Morgen stellte die Bahn aber ihren Betrieb ein.

Überhaupt kündigten die zuerst «rebellierenden» bis Mittag gleich reihenweise Betriebseinstellungen an. Das Skigebiet Adelboden-Lenk, das zuerst auf seiner Webseite noch stolz verkündet hatte, es stütze sich auf Aussagen der Berner Regierung, schloss ebenso wie alle anderen Bergbahnen mit Wintersportbetrieb am Samstagabend.

Die Bahnen der Jungfrauregion hatten erklärt, sie seien von bestätigten Coronavirus-Fällen nicht betroffen und zunächst weitergemacht.Die Jungfraubahnen stellen ihren Betrieb ausser bei den Bahnen des öffentlichen Verkehrs bis Ende April.

Das sanktgallische Skigebiet Pizol meldete, zunächst sei man «leider» einer Fehlinterpretation aufgesessen, habe aber in der Nacht auf Samstag das Saisonende beschlossen. Der Betrieb geht am 9. Mai weiter.

Schokobären für die Abreisenden

Die Destination Arosa GR gab ihrem Ärger über die Information durch die Bündner Regierung Ausdruck. «Frustrierend» sei es gewesen, noch in der Nacht die Gästeinformation ändern zu müssen. Tausende enttäuschter Gäste hätten sich am Samstag auf den Heimweg gemacht. Um ihnen den Abschied zu versüssen, verteilte Arosa Tourismus Schokoladebären an der einzigen Ausfallstrasse des Ortes.

In den Wintersportorten der Westschweiz wurde der Betrieb überall ordnungsgemäss eingestellt. In Villars VD herrschte so am Samstagmorgen gespenstische Leere.

bro/red

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