Mehr Freiheiten beim Jawort

Heiraten soll schneller und unbürokratischer werden. Dafür braucht es nicht einmal mehr Trauzeugen, findet der Nationalrat.

Hochzeit auf bisherige Weise: Ein Paar lässt sich nach dem Jawort fotografieren. (Symbolbild)

Hochzeit auf bisherige Weise: Ein Paar lässt sich nach dem Jawort fotografieren. (Symbolbild) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Nationalrat möchte das Jawort in Zukunft unbürokratischer gestalten. Die zwingenden Erfordernisse von zwei Trauzeugen und einer zehntägigen Wartefrist zwischen Vorbereitungsverfahren und Trauung sollen aufgehoben werden.

Mit 92 zu 86 Stimmen bei 9 Enthaltungen hiess die grosse Kammer eine Motion mit diesem Anliegen gut. Der Bundesrat beantragte die Annahme des Vorstosses. Dieser kommt nun in den Ständerat.

Stimmt auch die kleine Kammer zu, wird der Bundesrat beauftragt, zwei Artikel im Zivilgesetzbuch anzupassen. Künftig soll es Verlobten freistehen, ob sie die Trauung direkt im Anschluss an das Vorbereitungsverfahren vollziehen möchten oder in einem separaten Akt innert der Dreimonatsfrist. Zudem soll es neu freiwillig sein, dass zwei Trauzeugen beigezogen werden.

Weniger bürokratische Ehen

Die Mehrheit im Nationalrat sah in den heutigen Bestimmungen «zwei unnötige bürokratische Hürden». Die zwingende Wartefrist von zehn Tagen finde ihre Begründung im historischen Verkündungsverfahren, sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga. «Dieses gibt es nicht mehr.» Für diese Frist gebe es folglich keinen zwingenden Grund mehr.

Dies gelte umso mehr, da im geltenden Partnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare auf eine solche Bedenkfrist verzichtet werde. Verlobten solle es daher freistehen, sich nach dem Vorbereitungsverfahren eine Wartezeit zu gönnen.

Auch die beiden Trauzeugen haben laut Nadine Masshardt (SP/BE), welche die Motion vom neu gewählten Ständerat Andrea Caroni (FDP/AR) übernahm, keine rechtliche Funktion mehr. «Sie dienen nicht als Beweismittel für eine Ehe.» Deshalb solle es für Verlobte künftig freiwillig sein, sich wie heute durch Trauzeugen begleiten zu lassen.

SVP und CVP dagegen

Andrea Geissbühler (SVP/BE) äusserte Bedenken, die von ihrer Partei sowie der CVP und einzelnen FDP-Vertretern geteilt wurden. «Mit dem Wegfall der zehntägigen Wartefrist vor dem Jawort könnten Zwangsehen nicht mehr verhindert werden», argumentierte sie. Das sei ein grosses Problem. Die zwei obligatorischen Trauzeugen seien zudem «eine schöne Tradition».

Sommaruga konterte: «Keine Angst, Sie können Trauzeugen immer noch mitnehmen.» Nur das Obligatorium entfalle. Zudem würden Schein- oder Zwangsehen mit dem Vorbereitungsverfahren verhindert. Dieses würde mit Annahme der Motion nicht abgeschafft. (spu)

Erstellt: 14.12.2015, 21:43 Uhr

Artikel zum Thema

Geplatzte Hochzeit wird zum Schmaus für Obdachlose

Ein Bräutigam in Sacramento bekam kalte Füsse. Doch anstatt die Feier im Wert von 35'000 Dollar abzusagen, hatte die Mutter der Braut eine andere Idee. Mehr...

Ehe für alle

Güzin Kar findet, dass ihrem schwulen Gemüseverkäufer eine Heirat erlaubt ein soll – auch wenn er Kürbisse grün anmalt, um sie als Melonen zu verkaufen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Blogs

Welttheater Splitter
Sweet Home Atemberaubendes Küstenhaus

Die Welt in Bildern

#covfefe? Angela Merkel bedient das fedidwgugl-Haus in Berlin - und wir schütteln den Kopf ab dem sonderbaren Wahlslogan #fedidwgugl: Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben (18. August 2017).
(Bild: Michael Kappeler) Mehr...