Mehr Leute auf der Piste gleich mehr Unfälle?

Überfüllte Skipisten sind gefährlicher als leere Hänge, so die einleuchtende Annahme. Das stimmt nicht ganz.

Wintersportler stehen bei einer Transportanlage an.

Wintersportler stehen bei einer Transportanlage an. Bild: Flurin Bergamin

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als die Jungfraubahnen Anfang Dezember ankündeten, nur noch eine begrenzte Anzahl Gäste pro Tag ins Skigebiet zu lassen, verkauften sie dies als Qualitätsmassnahme. Wer während der Festtage auf Schweizer Skipisten unterwegs war und alle zehn Meter einem Personenhindernis ausweichen musste, leuchtet dieser Schritt aber genauso gut als Sicherheitsmassnahme ein.

Doch diese Annahme ist statisch falsch, wie Marc Kipfer, Mediensprecher der Beratungsstelle für Unfallverhütung, auf Anfrage sagt. Die Anzahl Unfälle nehme bei mehr Leuten auf der Piste sogar proportional ab. «Schneesportler scheinen bei zunehmender Dichte auf den Pisten ihr Tempo zu verringern und angepasst zu fahren», so Kipfer. Somit nehme auch das individuelle Unfallrisiko mit zunehmender Frequentierung der Skipiste leicht ab.

In der Unfallstatistik machen Kollisionen mit anderen Pistenbenutzern nämlich nur einen kleinen Teil der Unfälle aus. Der Anteil dieser Kollisionsunfälle schwanke jährlich zwischen fünf und sieben Prozent, sagt Kipfer. «Die überwiegende Mehrheit sind Selbstunfälle.» An Wochenenden, wo meist mehr Leute auf den Pisten unterwegs sind, ist der Anteil der Kollisionen denn auch nur unwesentlich höher. «Offensichtlich ist eine hohe Dichte von Schneesportlern auf den Pisten kein starker Risikofaktor für Kollisionen», sagt Kipfer. Auch die Schwere der Unfälle nehme tendenziell eher ab, wenn die Pisten dichter besetzt sind, «weil die Schneesportler langsamer fahren». Dazu gebe es statistisch allerdings keine gesicherten Daten, sagt Kipfer.

Limiten bleiben Ausnahmen

Dass von den Skigebieten in Zukunft eine solche Limitierung zum Schutz der Gäste fast schon erwartet wird, ist also statistisch völlig unbegründet. «Eine Limitierung der Gäste ist in erster Linie keine Frage der Sicherheit», sagt Kipfer klar. Die Jungfraubahnen – und vielleicht bald auch Gstaad – dürften vorerst denn auch die Ausnahme bleiben. «Eine Personenbegrenzung steht in der Skiregion Adelboden-Lenk aktuell nicht zur Diskussion», sagt Matthias Werren, Geschäftsführer der Bergbahnen, auf Anfrage. «Wir sind der Meinung, dass wir für unsere Gäste auch an Spitzenzeiten genug Platz anbieten können.» Auch Simon Schmid, Marketingleiter der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg, sagt, dass eine Limite «für uns im Moment kein Thema ist».

Erstellt: 09.01.2020, 14:36 Uhr

Artikel zum Thema

Verschüttete Piste in Andermatt könnte lange gesperrt bleiben

Die Verbindung der Skigebiete Andermatt und Sedrun kostete über 100 Millionen Franken. Wie es nach der Lawine weitergeht, ist offen. Mehr...

Hier donnert die Lawine auf die Skipiste am Oberalppass

Im Skigebiet Andermatt-Sedrun ist am Vormittag eine Lawine auf eine Piste niedergegangen. Wie gross sie war, zeigt ein Video. Mehr...

In diesen Skigebieten bleibt der Klimaschutz nicht auf der Piste

Winterferien ohne ein schlechtes Gewissen? Diese Ferienorte nehmen in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle ein. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Paid Post

Studieren von zu Hause aus

Erstmals in der Schweiz lässt sich ein Bachelor virtuell absolvieren. Dieses Set-up erlaubt es den virtuell Teilnehmenden ohne Pendeln zu studieren.

Die Welt in Bildern

Kunst-Blumen: Zum Valentinstag schenkt Banksy der Stadt Bristol eine neues Werk. Das Blumen werfende Mädchen schmückt eine Wand im Stadtteil Barton Hill. (14. Februar 2020)
(Bild: Finnbarr Webster) Mehr...