Mehr Licht in die Bauernfinanzen

Der Bund muss endlich einen Überblick schaffen über sämtliche Fördermassnahmen zugunsten der Bauern – inklusive Zahlen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In den nächsten Wochen geht es wieder los, das alljährliche Gezerre um das Agrarbudget fürs nächste Jahr. Der Bundesrat beantragt für 2018 eine Kürzung der Subventionen um 3 Prozent. Dass das Parlament diesen Antrag einfach durchwinkt, ist unwahrscheinlich. Die Bauernverbände und ihre Freunde im Parlament sind effizient im Verteidigen ihrer Interessen. Dabei setzen sie auf das emotionale Argument der «Bauernfamilien» und ihrer wirtschaftlichen Situation. Diese sei schwierig, weil die Einkommen in der Landwirtschaft tiefer seien als in anderen Branchen, so die Botschaft der Bauernlobby.

Gewiss: Zu den Grossverdienern in diesem Land zählen die meisten Schweizer Bauern nicht. Im Gegenzug zu eher tiefen Einkommen profitieren die Landwirte aber auch von finanziellen Vorteilen, die kaum jemand kennt. Eines dieser versteckten Privilegien kommt jetzt aufs Tapet: Viele Bauern versteuern einen tieferen Eigenmietwert als normale Hauseigentümer. Dadurch sparen sie nicht bloss Steuern. Sie kommen auch leichter in den Genuss von Prämienverbilligungen oder Stipendien. Wie viel Geld sparen die Landwirte dadurch insgesamt? Das wisse niemand, erklärte der Bundesrat unlängst in einer Antwort auf einen Vorstoss im Parlament.

Es ist nicht die einzige staatliche Segnung, die allein den Bauern zugutekommt. Nur zwei Beispiele: Der Staat zahlt auch die Familienzulagen der selbstständig erwerbenden Bauern und befreit sie teilweise von der Mineralölsteuer. Einen Überblick über all diese Vorrechte gibt es nicht, während die Schweizer Agrarstatistik sonst über jede Kuh und jede Geiss Buch führt.

Dass die Schweizer Landwirtschaft vom Staat finanziell unterstützt werden muss, steht ausser Frage. Das Problem ist jedoch, dass sich die politische Debatte immer nur um die Höhe der Direktzahlungen dreht. Bei den indirekten Fördermassnahmen zugunsten der Bauern herrscht Intransparenz. Dieses politische Versäumnis muss endlich behoben werden, wenn demnächst die Vorbereitungen für die Neujustierung der Agrarpolitik in den Jahren 2022 bis 2025 beginnen. In diesem Rahmen wird auch die Höhe der Subventionen neu ausgehandelt. Vorher muss der Bund einen Überblick schaffen über die tatsächliche wirtschaftliche Situation der Bauern. Dazu gehört eine Liste mit allen versteckten Steuer- und anderen Privilegien, und zwar inklusive Zahlen.

Erstellt: 08.10.2017, 19:11 Uhr

Artikel zum Thema

Das unbekannte Steuerprivileg der Schweizer Bauern

Landwirte zahlen für ihr Wohnhaus weniger Steuern als ihre Mitbürger. Jetzt revidiert der Bund den Berechnungsschlüssel für dieses Sonderrecht. Mitreden durfte nur die Bauernlobby. Mehr...

Bern knöpft sich Tierquäler vor

Das Bundesamt für Landwirtschaft plant, unbescholtene Bauern künftig viel seltener, Problemfälle dafür intensiver kontrollieren zu lassen. Politiker von links bis rechts fordern dasselbe. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Mehr Freizeit dank iRobot

Diese intelligenten Alleskönner übernehmen das Reinigen für Sie: gründlich, zuverlässig und vollautomatisch.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...