Mehrere Tausend Häuser stehen in der Gefahrenzone

Das Hotel auf der Schwägalp ist kein Einzelfall, wie die Gefahrenkarten zeigen. Auch das WEF ist betroffen.

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Wenn nächste Woche Spitzenpolitiker und Wirtschaftsführer mit dem Helikopter ans WEF nach Davos fliegen, landen sie in einem Gebiet, in dem Lawinen niedergehen können. Der temporäre Landeplatz, eingerichtet auf einem unverbauten Stück Land, liegt am Rand einer blauen Gefahrenzone. Das zeigen die entsprechenden Karten des Kantons Graubünden. Gemäss dem WEF-Sprecher der Bündner Regierung existiert deshalb ein eigenes Lawinenkonzept.

In der Schweiz leben viele Menschen in Lawinengefahrenzonen. Das zeigen Zahlen der zuständigen Behörden aus einzelnen Kantonen. Allein in Graubünden stehen rund 7000 Gebäude in den Gefahrenzonen. 2100 davon sind Wohngebäude – 500 in der roten und 1600 in der blauen Zone. Im Kanton Bern sind es 82 dauerhaft bewohnte Gebäude in der roten und 341 in der blauen Zone. Das Bundesamt für Umwelt verfügt über keine schweizweiten Zahlen.

In den Schweizer Alpen herrscht akute Lawinengefahr. Video: SDA

Auf Gefahrenkarten wird die potenzielle Gefährdung eines Standortes durch Naturgefahren mit drei Farben gekennzeichnet. Im Fall von Lawinen bedeutet das: In einer roten Zone sind Abgänge möglich, die Häuser zerstören können. In der blauen Zone treten Lawinen zwar selten auf. Für Menschen, die sich im Freien aufhalten, können sie jedoch zur Gefahr werden. Häuser sollten mit baulichen Verstärkungen geschützt werden. In der gelben Zone ist mit leichten Gebäudeschäden zu rechnen. Menschen sind kaum gefährdet.

Im Chalet verschüttet

Auf der Schwägalp drang vergangene Woche eine Lawine ins Hotel Säntis ein. Es liegt in einer blauen Zone. Glücklicherweise gab es hier neben Sachschaden nur drei Verletzte. In der Vergangenheit war das schon anders: So kamen 1999 im Wallis in einem unverstärkten Chalet in Evolène fünf Personen um. Das Haus befand sich auch in einer blauen Zone.

Seit dem damaligen Extremwinter sind jedoch in der Schweiz keine Menschen mehr in Gebäuden wegen Lawinen gestorben. Auch die Schäden an Gebäuden fielen im Vergleich mit anderen Naturgefahren gering aus. Gemäss der Vereinigung der kantonalen Gebäudeversicherungen gingen zwischen 2008 und 2017 im Schnitt nur 0,2 Prozent der jährlichen Schadenssumme auf Lawinen zurück.

Dies habe auch damit zu tun, dass in der Schweiz die ersten Gefahrenkarten für Lawinen schon früh erstellt worden seien, sagt Markus Imhof, bei den Gebäudeversicherungen zuständig für Naturgefahren. Teilweise bereits ab 1960. In der roten Zone sind Neubauten inzwischen grundsätzlich verboten, in der blauen nur unter Auflagen erlaubt. Gemäss Imhof schauen die Kantone heute bei Baugesuchen in diesen beiden Zonen genau hin. Bei bestehenden Gebäuden würden die Bewohner jedoch nicht verpflichtet nachzurüsten – jedenfalls solange kein Schadenfall aufgetreten sei.

Erstellt: 14.01.2019, 22:32 Uhr

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