Drei von vier wollen Zuwanderung begrenzen

Die bilateralen Verträge verlieren laut Umfrage an Unterstützung. Gleichzeitig ist die Kontrolle der Zuwanderung für eine klare Mehrheit ein wichtiges politisches Ziel.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der bilaterale Weg ist laut einer Studie des Forschungsinstituts GFS Bern noch immer der «Königsweg» im Verhältnis Schweiz-EU. Gemäss dem Europa-Barometer im Auftrag der Credit Suisse verliert der bilaterale Weg aber etwas an Rückhalt in der Bevölkerung: Deren Fortführung hat noch für 60 Prozent der Stimmberechtigten grosse Priorität – das ist ein Rückgang von 21 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Eine Kündigung der bilateralen Verträge ziehen 28 Prozent in Betracht, im Vorjahr waren es noch 19 Prozent gewesen.

Die Befragten mussten im Rahmen der Studie angeben, wie die Schweiz das Verhältnis zur EU künftig gestalten soll. Folgende Optionen standen zur Auswahl: die Fortsetzung der bilateralen Verträge, ein EWR-Beitritt, die Kündigung der Bilateralen oder der EU-Beitritt. Dabei war eine erste und zweite Priorität zu wählen.

EU-Beitritt wieder eher eine Option

Ein EU-Beitritt ist für 21 Prozent der Befragten eine valable Option. Vor Jahresfrist waren es noch lediglich 10 Prozent gewesen. Erstaunlich populär ist auch ein Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR): Er hat für 51 Prozent erste oder zweite Priorität. Höchste Priorität hat er allerdings nur für rund 10 Prozent, was darauf hindeutet, dass die Befragten die Option eher als zweitbeste Alternative zum bilateralen Weg sehen.

Wie die Studienautoren schreiben, seien die Wünsche im Umgang mit der EU teilweise widersprüchlich: So befürwortet eine klare Mehrheit von 79 Prozent die Kontrolle der Zuwanderung mittels Kontingenten. Sie schätzt die Erreichung des Ziels als wichtig oder sehr wichtig ein.

Gleichzeitig hat die Weiterführung des bilateralen Weges für eine Mehrheit grosse Priorität. «Die Personenfreizügigkeit als integraler Bestandteil der bilateralen Verträge ist bei der Schweizer Bevölkerung nur wenig beliebt», schreibt die Credit Suisse in einer Medienmitteilung.

«Swissness-Trend»

Generell fühlen sich gemäss der Umfrage geografisch nur gerade 11 Prozent in erster oder zweiter Linie zur EU zugehörig. «Man hat das Gefühl, dass der eigenständige Weg, der neutrale Weg, der Erfolgsweg der Schweiz ist, und dass diese EU, wie sie sich heute präsentiert, keine Lösung für die Schweiz ist», sagte Lukas Golder, Co-Leiter von GFS Bern, der «Tagesschau».

Laut seinen Angaben werden die Schweizer immer patriotischer. «Wir beobachten einen eigentlichen Swissness-Trend», so Golder. Der Stolz auf das Land nehme zu.

Die Umfrage wurde vom Institut GFS Bern im Auftrag der Credit Suisse und in Zusammenarbeit mit dem Europa-Forum Luzern durchgeführt. Die Ergebnisse basieren auf den Daten des Sorgenbarometers 2017, den die Credit Suisse Anfang Dezember veröffentlichen wird. Für die Umfrage wurden zwischen dem 26. Juni und dem 15. Juli 2017 1000 repräsentativ ausgewählte Personen interviewt. Der statistische Fehler wird bei plus/minus 3,2 Prozentpunkten angegeben.

* Hinweis: In einer früheren Version haben wir auf Basis der Meldung der Nachrichtenagentur SDA geschrieben, eine Mehrheit der Stimmberechtigten unterstütze den EWR-Beitritt. Der EWR-Beitritt wurde auch in der Medienmitteilung der Credit Suisse und des Europa-Forums Luzern als «erstmals mehrheitsfähige Alternative» zu den Bilateralen bezeichnet. Diesen Schluss lässt die Studie aber aufgrund der oben beschriebenen Fragestellung nicht zu. (daw/sda)

Erstellt: 14.11.2017, 08:28 Uhr

Artikel zum Thema

Zur Effizienz der bilateralen Verträge

Never Mind the Markets Oft wird behauptet, dass die Bilateralen die Überwindung der Wirtschaftskrise ermöglichten. Stimmt das wirklich? Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Die Welt in Bildern

Wer wird Präsident? Ein traditionell gekleideter Chilene, ein sogenannter Huaso, verlässt nach seiner Stimmabgabe in Santiago die Wahlkabine. (19. November 2017)
(Bild: Esteban Felix/AP) Mehr...