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«Mich stören Denkverbote»

Helmut Hubacher freut sich über die Nominierung von Simonetta Sommaruga als Bundesratskandidatin. Der ehemalige Präsident der SP Schweiz weiss genau, was es braucht, um im Bundesrat zu bestehen.

Gestern Abend hat die SP-Fraktion Simonetta Sommaruga und Jacqueline Fehr als Bundesratskandidatinnen nominiert. Ihre Reaktion?Ich bin sehr froh über die Entscheide. Frau Fehr hat sich als Politikerin bestens empfohlen und ist in der Partei gut verankert. Auch Hildegard Fässler hätte eine gute Bundesrätin abgegeben. Vor allem begrüsse ich aber, dass die Fraktion Frau Sommaruga nominiert hat. Sie zu übergehen, wäre für die SP einem politischen Selbstmord gleichgekommen.

Trotzdem bleibt Sommaruga in der Fraktion umstritten. Warum das?Vom linken Flügel wird ihr dieses Gurten-Manifest vorgeworfen, an dem sie vor neun Jahren mitgeschrieben hatte. Das Manifest kritisierte unter anderem die Haltung der Partei zu Ausländerproblemen und zum Sozialstaat. Ich konnte die Kritik schon damals nicht verstehen, sie kam mir vor wie ein Denkverbot. Mich stören Denkverbote. Für mich bleibt sekundär, ob ein Parteimitglied mit solchen Perspektiven einverstanden ist oder nicht. Entscheidend ist, dass sich die Leute über die zukünftige Politik ihrer Partei Gedanken machen. Das Gurten-Manifest hinterfragte einige Tabus der SP – meiner Meinung nach zu Recht. Die Partei litt lange unter einer dogmatischen Intoleranz, und zwar sowohl von rechts wie von links. Aber eine Partei braucht zwei Beine, um voranzukommen, sonst humpelt sie. Natürlich bringt die SP bei einer Bundesratswahl einen prononciert linken Kandidaten weniger leicht durch als einen pragmatischen.

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