Milder Winter wendet Strom-Blackout ab

Letzten Dezember sah es noch so aus, als gehe der Schweiz im Frühling der Strom aus. Jetzt gibt Swissgrid eine «umfassende Entwarnung».

Schweizer Speicherseen waren Ende 2015 auf «historische Tiefstände» gefallen, so Swissgrid: Kraftwerk und Staumauer des Speichersees Zervreila.(Archivbild)

Schweizer Speicherseen waren Ende 2015 auf «historische Tiefstände» gefallen, so Swissgrid: Kraftwerk und Staumauer des Speichersees Zervreila.(Archivbild) Bild: Christian Beutler/Keystone

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Die Swissgrid-Warnung sei über den Winter verschieden interpretiert worden, sagte Verwaltungsratspräsident Adrian Bult an der Jahresmedienkonferenz in Zürich.

Er wies damit indirekt Kritik zurück. So hatten etwa die Grünen moniert, dass mit einer Angstmacherei vor einem Blackout gegen ihre Atomausstiegsinitiative Stimmung gemacht werde.

Swissgrid sei für den sicheren Betrieb des Höchstspannungsnetzes verantwortlich, sagte Bult. «Wir haben basierend auf der Faktenlage Massnahmen ergriffen und über die Situation informiert.»

Prekäre Situation im Dezember

Im Dezember waren die Füllstände der Speicherseen auf «historische Tiefstände» gefallen, wie Swissgrid-Geschäftsleitungsmitglied Jörg Spicker vor den Medien sagte. Zudem waren die Blöcke I und II des Kraftwerks Beznau nicht am Netz.

Damit habe damals gedroht, dass den Speicherseen das Wasser ausgeht und «im März die Stromversorgung mit eigenen Mitteln nicht mehr sichergestellt» sein könnte, sagte Spicker. Dieses Szenario ist inzwischen nicht mehr realistisch: «Wir können umfassend Entwarnung geben.»

Milder Winter half

Zur Entspannung trug der milde, niederschlagsreiche Winter bei. Der Strombedarf war damit geringer. Und die Füllstände der Speicherseen sanken langsamer als üblich - inzwischen liegen sie auf einem für Anfang April durchschnittlichen Niveau. Zudem ging am 23. Dezember 2015 auch einer der beiden Beznau-Blöcke wieder ans Netz.

Eine Vielzahl von Massnahmen habe im weiteren dabei geholfen, «das Wasser der Speicherseen zu schonen», führte Spicker weiter aus. So sei kurzfristig die Netztransferkapazität an den Grenzen zu Frankreich, Deutschland und Österreich erhöht worden. Zudem seien über den Winter auch sämtliche Unterhaltsarbeiten an den Leitungen sistiert worden, damit das gesamte Netz zur Verfügung stand.

Swissgrid will investieren

Die angespannte Energie- und Netzsituation im vergangenen Winter habe die Dringlichkeit des Netzausbaus unterstrichen, sagte Swissgrid-Chef Yves Zumwald. Er kündigte deshalb an, dass Swissgrid gewisse Investitionen vorziehen werde. So soll unter anderem die für 2019 vorgesehene Beschaffung des Transformators Beznau nun sofort erfolgen.

Zudem forderte Zumwald «eine zügige Umsetzung der Netzprojekte». Dazu sei es erforderlich, dass die Bewilligungsverfahren gestrafft würden. Bis eine Starkstromleitung erstellt werden könne, dauere es im Durchschnitt 15 Jahre. Im Einzelfall könnten wegen Einsprachen gar dreissig Jahre verstreichen. «Das ist zu lange.»

Wettbewerbsvorteil der Schweiz aufrecht erhalten

Rund 2,5 Milliarden Franken will Swissgrid in den kommenden zehn Jahren in ihr Netz investieren. Rund eine Milliarde soll in die Erneuerung und den Unterhalt bestehender Infrastrukturen gesteckt werden. Der Rest soll für Neu- und Ausbauten verwendet werden.

Nur so könne die «exzellente Versorgungssicherheit und der damit verbundene Wettbewerbsvorteil für die Schweizer Wirtschaft langfristig gewährleistet werden», hielt Swissgrid am Mittwoch in einer Mitteilung fest. (sep/sda)

Erstellt: 06.04.2016, 15:29 Uhr

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