PC-7-Absturz: Leiche des Militärpiloten gefunden

Auf dem Flug ins Tessin ist ein Militärpilot mit einer PC-7 abgestürzt. Der Vorfall reiht sich in eine längere Kette von Unfällen bei der Luftwaffe ein.

Noch am Abend hoffte die Luftwaffenspitze, den vermissten Piloten lebend zu finden: Luftwaffenchef Aldo Schellenberg informierte über den Stand der Dinge.

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Es ist in Bundesbern fast schon zu einem traurigen Ritual geworden: Wenn Luftwaffenchef Aldo Schellenberg eine Medienkonferenz veranstaltet, geht es in ­aller Regel um einen Flugzeugabsturz. Über rund ein halbes Dutzend solcher Ereignisse musste Schellenberg seit seinem Amtsantritt im Jahr 2013 informieren. Gestern war erstmals eine Maschine des Typs PC-7 betroffen.

Deren Pilot hatte um 8.30 Uhr vom Flugplatz Payerne VD abgehoben, landete aber nicht wie vorgesehen um 9.30 Uhr in Locarno TI. Am späteren Nachmittag wurde das Flugzeug im Gebiet des Schreckhorns im Berner Oberland entdeckt, am späteren Abend dann auch der Pilot. Danach präsentierte sich der Stand der Erkenntnisse folgendermassen:

Die Absturzstelle war aufgrund des Wetters lange nicht zugänglich. In der Gegend des Schreckhorns fiel gestern phasenweise reichlich Schnee. Die Witterung erschwerte zunächst auch die ­Lokalisierung des Flugzeugs. Die Radardaten ermöglichten es aber, das Such­gebiet einzugrenzen, ehe nach 16 Uhr schliesslich die Maschine entdeckt wurde. An der Suchaktion waren drei Helikopter, eine PC-7 und die Jets des Luftpolizeidienstes beteiligt.

Bildstrecke: PC-7 stürzt beim Schreckhorn ab

Am späten Abend bestätigte die Armee den Tod des Piloten. Offensichtlich war es ihm nicht mehr gelungen, sich mit dem Fallschirm zu retten. Über Schleudersitze verfügen die PC-7 nicht.

Es handelte sich um einen «erfahrenen Milizpiloten»: Dies betonten Schellenberg und der stellvertretende Einsatzchef Peter Bruns an der Medienkonferenz. Der Verunfallte war Offizier. Am Abend drückte die Armeeführung den Angehörigen ihr «tief empfundenes Mitgefühl» aus.

Der Pilot war im sogenannten Sichtflug unterwegs gewesen. Das heisst, er lenkte das Flugzeug eigenständig und ohne permanente Überwachung. Vom Wetter her waren die Voraussetzungen für einen Sichtflug gegeben, wie Peter Bruns festhielt. Welchem Zweck der Flug von Payerne nach Locarno hätte dienen sollen, wird noch genauer abgeklärt. Gemäss Bruns dürfte es sich jedoch um einen normalen Trainingsflug gehandelt haben.

Zur Unfallursache ermittelt die Militärjustiz.

Der Luftwaffenchef sah sich schliesslich mit der unvermeidlichen Frage konfrontiert, wie die anhaltende Serie von Unfällen mit Schweizer Militärflugzeugen und -helikoptern zu erklären sei. In der jüngeren Zeit verunglückten eine F/A-18 bei Alpnachstad OW (Oktober 2013, zwei Tote), eine weitere F/A-18 beim Training im französischen Besançon (Oktober 2015, ein Verletzter), ein F5-Tiger bei einer Flugshow in den Niederlanden (Juni 2016, keine Verletzten), eine F/A-18 am Sustenpass (August 2016, ein Toter) und ein Super Puma am Gotthard (September 2016, zwei Tote, ein Verletzter). Er habe sich die Frage nach den Gründen für die Häufung «auch gestellt», erklärte Schellenberg. Seine Antwort fiel freilich genau so aus wie bei früheren Gelegenheiten: «Meine Experten und ich sehen zwischen den Ereignissen keinen inneren Zusammenhang.»

Die PC-7 jedenfalls, so betonten Schellenberg und Bruns, sei ein «sehr, sehr zuverlässiges Flugzeug». In der Tat liegt das letzte Unglück mit einer PC-7 schon etwas länger zurück: Vor 15 Jahren kollidierte eines der Propellerflugzeuge bei Bonaduz GR mit dem Seil einer Luftseilbahn; zwei Offiziere wurden getötet.

Zu 90 Prozent ist es der Mensch

Zuletzt hatte die Luftwaffe noch 28 dieser Flugzeuge im Einsatz. Angeschafft wurden sie 1982 – die Gefahr, dass sie zu alt für den Einsatz werden könnten, besteht laut Aviatikexperte Max Ungricht aber nicht. «Wie bei zivilen Flugzeugen hat auch die Armee strikte Vorschriften», sagt er. Entsprechend gut würden die Maschinen gewartet. «Jedes Flugzeugteil wird periodisch kontrolliert und bei Bedarf ersetzt.» Wie Schellenberg bescheinigt auch Ungricht der ­PC-7, ein «sicheres, robustes Flugzeug» zu sein.

Steht jetzt also menschliches Versagen als mögliche Unglücksursache im Vordergrund? Wenn Experten spekulierten, lägen sie «eigentlich immer falsch», so Ungricht. «Was man sagen kann: Gegen 90 Prozent aller Flugunfälle sind auf den Faktor Mensch zurückzuführen, nicht auf die Technik. Und mit Menschen meine ich nicht nur den Piloten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.09.2017, 23:28 Uhr

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