Mit Bäumen und Büschen an die Demo

20'000 Menschen haben in 25 Schweizer Städten fürs Klima gekämpft, weltweit waren es Hunderttausende in 128 Ländern.

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Wie auf der ganzen Welt haben sich auch in der Schweiz am Freitag Zehntausende junge Menschen an neuen Klimastreiks der Umweltbewegung Fridays for Future beteiligt. Alleine in Zürich demonstrierten laut der Polizei über zehntausend Personen.

Dort nahmen einige Streikende einen ganzen Wald aus Bäumen und Büschen mit, um auf die massiven Rodungen auf der ganzen Welt und deren katastrophalen Auswirkungen auf das Klima aufmerksam zu machen. Um den Dialog auch nach dem Streik weiterzuführen, koordiniert eine Arbeitsgruppe des Klimastreiks im Juli eine Versammlung mit Menschen aus der Stadt.

In ganzen Kanton Bern demonstrierten schätzungsweise rund 4000 Menschen für einen griffigen Klimaschutz. An der Spitze des Kundgebungszugs in der Stadt Bern mit schätzungsweise 2500 Teilnehmenden waren Transparente mit Slogans wie «Our Ambition Stop Emission» und «Klima über Profit» zu sehen. Bei den Liedern kam Mani Matters «Dene wos guet geit» zu Ehren. Die Organisatoren der Klima-Demonstrationen schätzten die Teilnehmerzahl auf 7400 Personen im ganzen Kanton Bern und auf 6500 in der Stadt Bern.

In Zürich nahmen streikende Schüler gleich einen Wald aus Büschen und Bäumen mit. Video: SDA

«Ufe mit em Klimaziel, abe mit em CO2»: Unter diesem Slogan zogen in Luzern geschätzte 500 Jugendliche durch die Stadt. Die Lage sei ernst, rief eine Organisatorin den Demonstrantinnen und Demonstranten zu. In einer Rede wurden darauf wissenschaftliche Fakten zum Klimawandel erörtert und, eingepackt in einen Rap, politisch kommentiert.

Abnehmende Teilnehmerzahlen

Auch in Bellinzona und Basel und vielerorts dazwischen machten die Streikenden «friedlich, lautstark und bunt» Druck auf Politik und Wirtschaft, wie die Organisatoren mitteilten. In St. Gallen demonstrierten rund 700 Personen. Insgesamt waren Menschen in 25 Schweizer Städten an den verschiedenen Aktionen beteiligt.

Übers Ganze gesehen war die Mobilisierung im Vergleich zu den letzten Aktionen rückläufig. Grund dafür dürfte auch die Prüfungszeit sein. Zahlreiche Gymnasiasten sind derzeit mit ihrem Matura-Abschluss beschäftigt.

Tausende zogen durch Schweizer Städte. Weil viele Schüler an der Abschlussarbeit sind, waren es weniger als auch schon. Video: Tamedia

Das zeigte sich vor allem in der Westschweiz. In Lausanne zogen am Freitag noch rund 4500 Menschen durch die Strassen, vor ein paar Monaten waren es noch 10'000 gewesen. In Genf halbierte sich der Demonstrationszug im Vergleich zum 15. März. Dieses Mal zählte die Polizei rund 2000 Personen.

Nationaler Klimanotstand als Ziel

Die Forderungen der Kundgebungsteilnehmer sind überall, dass schweizweit der Klimanotstand ausgerufen wird und im Inland spätestens im Jahr 2030 nicht mehr Treibhausgas ausgestossen wird, als die Natur aufzunehmen fähig ist.

Auch die sogenannte Klimagerechtigkeit fordern die Klimastreikenden. Gemeint ist damit, dass die Folgen der globalen Erhitzung unter Berücksichtigung des Verursacherprinzips auszugleichen ist.

(oli/sda)

Erstellt: 24.05.2019, 17:50 Uhr

Weltweite Aktion – bewusst während Europawahl

International sollen laut einer Liste von Fridays for Future Demonstranten an 1784 Orten in 128 Ländern unterwegs gewesen sein.

In Deutschland beteiligten sich am Freitag nach Angaben der Organisatoren rund 320'000 Menschen an der zweiten Auflage eines globalen «Klimastreiks» der Bewegung Fridays for Future; protestiert wurde in allen Bundesländern und in mehr als 200 deutschen Städten.

In der Hamburger Innenstadt protestierten beispielsweise nach Polizeiangaben etwa 17'000 Menschen, laut den Veranstaltern waren es bis zu 25'000. In Berlin sprachen die Organisatoren von mehr als 15'000 Teilnehmern. In Freiburg zählte die Polizei zwischen 8000 und 10'000. Auch in anderen deutschen Grossstädten war die Teilnehmerzahl vierstellig.

Vielerorts hielten Demonstranten Schilder mit Aufschriften wie «Klimaschutz statt Kohleschmutz» und «Es gibt keinen Planeten B» in die Höhe. Nahezu überall war der Slogan «Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!» zu hören.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble forderte unterdessen eine entschlossenere Klimapolitik der deutschen Regierung. «Wir brauchen Entscheidungen, in der Klimapolitik wie anderswo», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Freitag).

Die globale Aktion am Freitag stellte die zweite Auflage im Grossformat dar – an der ersten hatten sich am 15. März weltweit etwa 1,9 Millionen Menschen beteiligt. Fridays for Future hatte den zweiten Anlauf bewusst in die Zeit der Europawahl gelegt.

Fridays for Future fordert, dass die Politik beim Thema Klima auf die Wissenschaft hört, die Ziele des Pariser Weltklimaabkommens einhält und mit entschiedenen Massnahmen dazu beiträgt, die Erderwärmung bei 1,5 Grad Celsius zu stoppen. (sda)

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