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Mit weniger geht es nicht

Der Ständerat hat die Lohngleichheits-Vorlage zurück an die Kommission gewiesen – womit weiter diskutiert statt gehandelt wird.

Der Ständerat weist Massnahmen gegen Lohndiskriminierung zurück. (Video: Tamedia/SDA)

Fast alle Mitglieder des Ständerats waren sich gestern einig: Frauen verdienen, nur weil sie Frauen sind, weniger als Männer, und dagegen muss etwas getan werden. Nur nicht jetzt, nicht hier und nicht so wie vorgesehen: Unternehmen mit über hundert Angestellten sollen ihrer Belegschaft und dem Aktionariat nicht alle vier Jahre Rechenschaft über ihre Löhne ablegen müssen. So ist der Ständerat zwar auf die Vorlage eingetreten, hat sie aber wieder an die Kommission zurückgewiesen – die das Anliegen schon während Jahren diskutierte.

So geschieht in absehbarer Zeit das, was bereits in den vergangenen Jahren geschehen ist: nichts. Seit 37 Jahren ist die Gleichstellung von Mann und Frau in der Verfassung verankert, seit 37 Jahren sollten beide für gleichwertige Arbeit denselben Lohn erhalten. Aber die Realität ist eine andere: Frauen verdienen noch heute jeden Monat durchschnittlich 1400 Franken oder 18 Prozent weniger als Männer, 600 Franken davon lassen sich nicht mit Kriterien wie Ausbildung oder Erfahrung erklären.

So wird die Kommission also weiterdiskutieren. Die Bürgerlichen werden versuchen, der Vorlage weitere Zähne zu ziehen – um am Ende sagen zu können, so bringe es nun wirklich nichts mehr. Aber die vorgesehene Massnahme ist das Minimum, das angesichts der anhaltenden Benachteiligung der Frauen getan werden muss. Und sie ist nicht so wirkungslos, wie ihre Kritiker gerne behaupten. Frühere Lohnanalysen haben gezeigt, dass jedes zweite Unternehmen Frauen finanziell benachteiligt hat, und jedes hat dies korrigiert. Kaum ein Arbeitgeber diskriminiert Frauen gezielt. Die meisten sind sich nicht bewusst, welche Stereotypen in ihre Lohngestaltung hineinspielen.

Wenn ein Unternehmen Frauen wie Männer fair entlöhnt und darüber spricht, tut es dies nur zu seinem eigenen Vorteil. Heute sind viele Frauen sehr gut ausgebildet, und der Mangel an Fachkräften wird sich weiter verschärfen. Wer faire Löhne zahlt, wird die Frauen bekommen.

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