Moralapostel mit Mundharmonika

Der Churer Weihbischof Marian Eleganti widerspricht dem Papst.

Weihbischof Marian Eleganti findet, Wiederverheiratete dürften keinen Sex haben. Foto: Hugo Hafner (Bischöfliche Kanzlei Chur)

Weihbischof Marian Eleganti findet, Wiederverheiratete dürften keinen Sex haben. Foto: Hugo Hafner (Bischöfliche Kanzlei Chur)

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Der Deutschschweizer Jugendbischof Marian Eleganti erhält viel Applaus, wenn er mit Mundharmonika und Gitarre von Jugendfestival zu Jugendfestival rockt. Am Weltjugendtag in For­taleza hat ihn die brasilianische Presse gar mit Bob Dylan verglichen.

Bischof Huonders Weihbischof hat noch eine andere Seite. Er widerspricht dem Papst ins Gesicht. Gerade hat Eleganti das «Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten des Ehesakramentes» unterzeichnet – eine von drei kasachischen Bischöfen veröffentlichte Protestnote gegen Franziskus Lehrschreiben «Amoris Laetitia», deutsch: «Freude der Liebe». Es missfällt ihnen, dass das Schreiben den Empfang der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen öffnen will. Es gebe keine Ausnahme vom Gebot der Unauflöslichkeit der Ehe, kontern diese Bischöfe. Das Gewissen zwinge sie, die seit 2000 Jahren geltende Moral zu verteidigen.

Der Papst, der Unruhestifter

Seit der römischen Familiensynode von 2015 brechen die Vorwürfe nicht ab, der Papst sei ein Häretiker und Unruhestifter. Besonders schlimm findet es Eleganti, dass Franziskus die Proteste ignoriert und schweigt. Gegenüber der rechtskatholischen Plattform «One Peter Five» beklagt er, widersprüchliche Interpretationen von «Amoris Laetitia» durch die nationalen Bischofskonferenzen hätten an der Basis zu Chaos und Verwirrung geführt. In der Schweiz sei es seit langem Praxis, Wiederverheiratete zur Kommunion zuzulassen. Das aber verbiete das Kirchengesetz, es sei denn, diese enthielten sich sexueller Akte.

Wenn es darum geht, sich Rom zu widersetzen, hat Eleganti Routine: 14 Jahre lang lebte er in einer kirchlich verbotenen Gemeinschaft, die aus Italien vertrieben wurde und später in erbittertem Widerstand gegen Rom ein illegales Priesterseminar in Innsbruck betrieb. Gründer dieser Gruppe war der suspendierte Priester Josef Seidnitzer, der wegen Unzucht mit Burschen dreimal im Gefängnis gesessen hatte.

Barmherzigkeit oder moralischer Niedergang

Nach der Auflösung des Seminars 1990 wurde Eleganti Benediktiner in Uznach SG, später Abt, Weihbischof und Jugendbischof. Unter den Schweizer Bischöfen ist er der Moralapostel: 2015 hat er ihnen das Nein zur Segnung homosexueller Paare abgerungen. Jetzt fürchtet er, dass diese «Unsitte» Schule machen und das Verbot der künstlichen Empfängnisverhütung aufgeweicht werden könnte.

Was Franziskus Barmherzigkeit nennt, führt laut Eleganti in den moralischen Niedergang: «Wiederverheiratete Geschiedene müssen sich bewusst bleiben, dass ihre zweite Beziehung objektiv dem Willen Gottes widerspricht», schrieb er am Mittwoch in der deutschen katholischen Zeitung «Tagespost». In Bezug auf die Ehe müsse das Ziel die Übereinstimmung mit dem Willen Gottes sein und nicht die Angleichung an gesellschaftliche Standards.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.02.2018, 00:13 Uhr

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