Müssen Steuerzahler für AKW-Ausstieg zahlen?

Stilllegung und Entsorgung der Schweizer Kernkraftwerke sollen 10,5 Milliarden Franken kosten. Laut der Energiestiftung reicht das bei weitem nicht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Feilschen um die Stilllegungs- und Entsorgungskosten der Schweizer Atomanlagen geht in eine weitere Runde: Die Schweizerische Energie-Stiftung (SES) hält die Annahmen der aktuellen Kostenstudie für allzu zu optimistisch. Sie fordert höhere Beiträge.

Die Kommission für den Stilllegungsfonds und den Entsorgungsfonds (Stenfo) hatte die Kostenstudie 2016 letzten Dezember publiziert. Demnach belaufen sich die Kosten für die Stilllegung der fünf schweizerischen AKW und das zentrale Zwischenlager in Würenlingen (Zwilag) auf rund 3,6 Milliarden Franken. Ende 2015 belief sich das angesammelte Fondskapital auf knapp zwei Milliarden Franken.

Ideale Szenarien angenommen

Ausserdem befanden sich 4,2 Milliarden Franken zur Deckung der Entsorgungskosten nach der Stilllegung der AKW im Fonds. Die Kosten werden auf 10,5 Milliarden Franken veranschlagt. Auf Basis dieser Berechnungen legt das Energiedepartement Uvek im Lauf des nächsten Jahres die Fondsbeiträge der Periode 2017 bis 2021 fest. Diese müssen von den Kraftwerkbetreibern geleistet werden.

Die Energie-Stiftung hat grosse Zweifel an den Ergebnissen der Kostenstudie 2016. Sie befürchtet, dass die Steuerzahler dereinst hohe Kosten für die Stilllegung und vor allem für die Entsorgung der Schweizer AKW übernehmen müssen. So seien in der Kostenstudie überall ideale Szenarien angenommen worden, während die finanziellen Risiken ausgeblendet wurden, heisst es in einer Mitteilung vom Montag.

Verwaltungskommission soll unabhängig sein

Die SES stellt unter anderem infrage, wie lange die finanziell angeschlagenen AKW-Betreiber überhaupt in der Lage sein werden, die Beiträge an den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds zu leisten. Zweifel hat die SES auch am Zeitplan für die Bildung des Fonds oder an den Kostenprognosen für ein geologisches Tiefenlager. Für die Entsorgung fordert die Stiftung daher einen Sicherheitszuschlag von 100 Prozent der Fondsbeiträge.

Eine weitere Forderung betrifft die Stenfo-Verwaltungskommission. Diese müsse ausschliesslich aus Mitgliedern zusammengestellt werden, die von den AKW-Betreibern unabhängig seien, schreibt die SES. Diese hätten ein legitimes betriebswirtschaftliches Interesse an möglichst tiefen Beiträgen, während die Verwaltungskommission sicherstellen müsse, dass dereinst genügend Geld für die Stilllegung und die Entsorgung zur Verfügung stünden. (oli/sda)

Erstellt: 08.05.2017, 11:20 Uhr

Artikel zum Thema

Neue Beschwerde gegen Mühleberg

Atomgegner sehen in den mobilen Feuerwehr-Pumpen des Atomkraftwerks Mühleberg eine Gefahr. Sie haben deshalb Beschwerde am Bundesverwaltungsgericht eingereicht. Mehr...

AKW Mühleberg muss bis 2017 aufrüsten

Insgesamt zehn Mängel attestiert das Ensi Mühleberg. Die BKW muss diese bis 2017 beheben, wenn sie das Atomkrafwerk weiter betreiben will. Die Frist stösst auf massive Kritik. Mehr...

Mühleberg-Nachrüstung wird teurer als angenommen

Die Kosten für die zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen beim Atomkraftwerk in Bern übersteigen die geplanten 170 Millionen Franken. Greenpeace sieht nur noch eine Lösung: Mühleberg muss vom Netz. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Paid Post

Mehr Freizeit dank iRobot

Diese intelligenten Alleskönner übernehmen das Reinigen für Sie: gründlich, zuverlässig und vollautomatisch.

Die Welt in Bildern

Keine Berührungsängste: In der Dinosaurierfabrik von Zigong in China wird ein voll beweglicher Dinosaurier hergerichtet. China produziert 85% aller Dinosaurier weltweit. (13. November 2019).
(Bild: Lintao Zhang/Getty Images) Mehr...